Die Dresdner Frauenkirche – Wunder aus Stein

3355 Sandsteine – so nüchtern kann man die berühmteste Kuppel Dresdens beschreiben.[1] Das wird ihr allerdings keinesfalls gerecht denn sie gehört zu einem der emotionalsten Bauwerke Deutschlands. Die Rede ist vom Wahrzeichen der Elbestadt, der berühmten Frauenkirche auf dem Neumarkt, die mit ihrer monumentalen Steinkuppel die einzigartige Silhouette der vieltürmigen Stadt prägt. Als exklusiver Aussichtspunkt steht sie diesmal im Fokus der Dokumentationsreihe „Über den Dächern – Dresden, Stadt der Türme”.

Ratszimmermeister George Bähr legte 1726 den Grundstein für den prächtigen Kirchbau, der die zu klein gewordene und baufällige gotische Vorgängerkirche ablösen sollte. Der aus dem Erzgebirge stammende Baumeister hatte bis dato zwar schon an einigen Kirchbauten mitgewirkt, doch mit dem Bau der Frauenkirche erhielt sein Schaffen zweifellos eine völlig neue Dimension. Die Ansprüche an Bähr waren hoch, denn der frisch gekürte König von Polen, August der Starke, wollte „sein” Dresden mit einem prächtigen Sakralbau schmücken, um es konkurrenzfähig zu anderen Residenzen zu machen. Obwohl er selber zum Katholizismus übergetreten war, sicherte er seinen Untertanen die Religionsfreiheit zu und förderte gleichzeitig das Frauenkirchprojekt.

Zunächst plante George Bähr einen Zentralbau mit vier Ecktürmchen aus Stein und einer großen, kupfergedeckten Hauptkuppel. Da den Rat der Stadt auch damals schon Geldsorgen plagten und Kupfer ein sehr teures Material war, beschloss man nach kurzer Zeit, auch den Kuppelanlauf in Stein zu bauen. Schon zu diesem Zeitpunkt führte Bähr die Mauern stärker aus, als sie für eine Holzkuppel hätten sein müssen denn insgeheim träumte er, der gelernte Zimmermann, von einer komplett steinernen Kuppel. Nach jahrelangem Streit um die technische Machbarkeit eines solch gigantischen Projektes stimmten die Stadtväter George Bährs Plänen 1728 schließlich zu weil sie sich von der Kostengünstigkeit dieser Variante überzeugen ließen. Eine steinerne Kuppel war zwar nicht alltäglich, jedoch auch kein Novum in dieser Zeit. Ähnliche Konstruktionen kannte man damals z.B. aus Florenz oder Rom. Das wirklich faszinierende und bis heute weltweit einmalige an George Bährs Schöpfung war und ist die geschwungene Form der Frauenkirchenkuppel, die an eine Glocke erinnert und ihr so den liebevollen Namen „Steinerne Glocke” einbrachte.

202 Jahre lang trotzte die Steinerne Glocke allen Widrigkeiten und überstand sogar den Bombenhagel des II. Weltkrieges unbeschadet. Zum Verhängnis wurde ihr erst die große Hitze des Feuersturms, der nach den Luftangriffen vom 13. Februar 1945 in Dresden loderte, den Sandstein verbrannte und die Kirche zum Einsturz brachte. Erfolgreich wehrte sich die Bevölkerung zu DDR-Zeiten gegen die Räumung der Ruine. Insgeheim hofften die Menschen immer auf einen Wiederaufbau ihrer lieb gewonnenen Kirche, die zwar als Trümmerberg Mahnmal für den Frieden geworden war aber trotzdem dem Stadtbild in ihrer Schönheit fehlte. Kurz nach der Wende war die Zeit schließlich reif für den „Ruf aus Dresden”.[2] Dieser Aufruf zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche als ein Mahnmal und Zentrum für Frieden und Versöhnung ging um die Welt und regte Tausende zum Spenden an. Es folgten 12 hoch emotionale Jahre des Wiederaufbaus für Bauherren, Handwerker, Spender und die Dresdner Bürger. Mit modernster Technik und alter Handwerkskunst wurde das Projekt angegangen und gleichzeitig wurde versucht, so viel wie möglich Originalmaterial zu verwenden. 2005 konnte die Frauenkirche schließlich wiedergeweiht werden – dank der großzügigen Spendenbereitschaft sogar früher als geplant. Seitdem trohnt die Steinerne Glocke wieder über den Dächern des neu entstehenden Neumarktes. Weit ist ihr Glockengeläut zu hören und die Aussichtsplattform der Laterne lädt zum Aufstieg ein.

In einzigartiger Weise fügte George Bähr die Kuppel mit dem Rumpf der Frauenkirche über einen 11 m hohen, konkaven Tambourzylinder so zusammen, dass es keinerlei Unterschied mehr zwischen Dach und Wandflächen gibt. Es existiert praktisch nur eine Struktur – die Außenhaut. Lediglich die vier kleinen Glockentürme scheinen aus den Mauern des Kirchenraumes zu erwachsen um die Steinerne Glocke zu rahmen. Das barocke Wechselspiel zwischen konkavem und konvexem Schwung verleiht der Kuppel der Frauenkirche ihre außerordentliche Schönheit. Etwas eigenwillig wirkt die aufgesetzte, offene Laterne, die die 25 m hohe Kuppel abschließt und selbst noch vom Turmkreuz bekrönt wird.

Plastizität bringen schmale, lisenenartige Steinbänder, das horizontal umlaufende Fries sowie unterschiedlich große Fenster ins Spiel. Da die Kuppel enorm groß ist und somit starken Kräften standhalten muss, wurde sie – im Gegensatz zum Rest der Kirche – ausschließlich aus einwandfreiem, neuem Sandstein errichtet. Um statische Probleme vollständig auszuschließen, zog man zusätzlich acht Spannanker aus Edelstahl ein.

Ein wirkliches Erlebnis ist der Kuppelaufstieg. In 67 m Höhe hat man bei gutem Wetter eine exzellente Aussicht auf die Weiten des Elbtals, die Sächsische Schweiz und Dresden. Doch schon der Gang nach oben innerhalb der Kuppel birgt ganz eigene Reize.

Die Besteigung wird völlig separat vom Kirchenraum von der „Kuppelaufstieg Frauenkirche Dresden GmbH” durchgeführt. Zugang und Kasse befinden sich im Eingang G direkt gegenüber vom Coselpalais. Zwar sind die Eintrittspreise von 8 € für Erwachsene, 5 € für Ermäßigungsberechtigte und 20 € für Familien[3] nicht gerade knapp bemessen, trotzdem lohnt sich diese Geldanlage meiner Meinung nach sehr.

Zuerst gelangt man mit einem Fahrstuhl auf 24 m Höhe, von wo aus man seine Reise zu Fuß durch die Kuppel fortsetzt. Ein stufenlos ansteigender Wendelgang windet sich direkt zwischen Außen- und Innenkuppel in die Höhe und bietet zwischendurch durch Öffnungen in der Innenkuppel herrliche Ausblicke hinunter in die Kuppel und sogar in den Kirchenraum. Kurz bevor man diese 14% steile Rampe betritt, hat man darüber hinaus die Möglichkeit, den Kuppelmalereien von Giovanni Battista Grone, die 2004 von Christoph Wetzel wieder erschaffen wurden, auf Augenhöhe zu begegnen. Ergriffen blickt man nach oben und unten – in die Weite der Kuppel und die Weite des prächtig geschmückten Kirchenraumes – und wird mit zunehmender Höhe einfach überwältigt von der Erhabenheit dieser Kirche. Dem schlichten Wendelgang folgen noch zwei schmale, recht steile Treppen ehe man die Aussichtsplattform erreicht und seinen Blick nach Herzenslust schweifen lassen kann.

Öffnungszeiten:    März bis Oktober

Montag bis Sonnabend 10-18 Uhr

Sonntag 12:30-19 Uhr

November bis Februar

Montag bis Sonnabend 10-16 Uhr

Sonntag 12:30-16 Uhr


[1] Die Anzahl der Steine bezieht sich auf die Außenhaut der Außenkuppel (ohne Hintermauerung)

[2] Fakten zur Geschichte und technische Angaben entnommen aus: Helfricht, Jürgen: Die Dresdner Frauenkirche. Eine Chronik von 1000 bis heute, Husum 2003, 6. grundlegend aktualisierte Auflage 2006.

[3] Entnomen aus: http://www.frauenkirche-dresden.de/kuppelaufstieg.html

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Datum: Donnerstag, 13. November 2008 19:43
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