Riesenameisen besiedelten ARTresidenz – “Tag der offenen Tür” bei obART

obART_panorama_Tag-der-offenen-TuerZahlreiche Neugierige nutzten “Tag der offenen Tür” um sich über obART zu informieren

Etwa 300 Besucher erlebten am Samstag in der neu etablierten ARTresidenz in Kirschau zeitgenössische Kunst zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Kunstinitiative Kirschau e.V. und deren Kunstlabel obART hatten zum “Tag der offenen Tür” eingeladen und stellten sich und ihre Projekte vor. An die 40 Künstler sorgten für ein abwechslungsreiches Programm.

Bereits vor dem offiziellen Beginn strömten zahlreiche Neugierige in die Villa, die einst von der Fabrikanten-Familie Friese gebaut und zuletzt als Kindergarten genutzt wurde. Zunächst kundschafteten die Interessierten jeden Winkel des Hauses aus und schwelgten in Erinnerungen an vergangene Zeiten. “Dort war mal ein Durchbruch in der Wand und hier stand der Kamin. Aber das ist jetzt auch schon wieder 50 Jahre her,” erzählte ein Besucher.

Dann rückten immer mehr die Werke der ca. 40 Künstler, die obART zum Tag der offenen Tür kostenfrei unterstützten, in den Vordergrund. Installationen, Bild-, Video-, Licht- und Hörkunst sowie Musik und Performance waren an diesem Tag das ideale Bindeglied zwischen dem, was die Villa einst war und dem, was die Macher von obART mit ihr und Kirschau noch vorhaben. Die zukünftigen Gästezimmer für Künstler waren bereits hergerichtet und die angereisten Künstler gaben einen ersten Vorgeschmack auf das, was die zwei Festivals grenzART und obPHON im nächsten Jahr bieten werden.

Vielfältiges Programm zum Tag der offenen Tür

Illumination-der-ARTresidenz_Andrea-HilgerOpernsängerin Annette Jahns aus Dresden sang “Das große OB”. An die 500 Begriffe aus dem Grimmschen Wörterbuch, die alle mit den für obART so prägnanten Buchstaben “ob” begannen, schallten vom Balkon der ARTresidenz in den Ort. Auch Jan Heinke beeindruckte das Publikum mit seinem riesigen Stahlcello, welches den Wintergarten der Villa in einen ganz besonderen Klangraum verwandelte. Sowohl in den Zimmern, als auch im Keller und im Garten der ARTresidenz waren Installationen, Bilder und Videos von den Künstlern Heinz Schmöller, Norbert Lübker, Johannes Tiepelmann, Sandro Porcu, Alexander Friebel, Thomas Taube, Alwin Lay, Sascha Herrmann und David O’Kane zu sehen. Mit zunehmender Dunkelheit veränderte sich dann das äußere Erscheinungsbild der ARTresidenz. Die Künstlerin Andrea Hilger aus Dresden projezierte malerisches Licht an die Fassade der Villa und machte sie so als eigenständiges Kunstwerk weithin sichtbar. Für die passenden Zwischentöne sorgte das Bernd Hoffmann Show Orchester aus Leipzig, das bekannte Oldies und Songs von heute als Swing- und Jazzmusik interpretierte. Später am Abend waren die Performer von “homo formicidae”, einem Projekt von Jens Vetter und Sarah Leimcke, damit beschäftigt, als Ameisen verkleidet Stühle und Bänke aufeinander zu türmen. Sie eilten hin und her und befestigten um sich rum alles, was lose war. So wurden auch gleich einige Besucher im wahrsten Sinne des Wortes in die Performance eingebunden.

1. obARTsymposium für eine trilaterale Zusammenarbeit der Künste

Auch die Teilnehmer des 1. obARTsymposiums konnten eine Verknüpfung von Performance und Hörkunst erleben. Zum Auftakt der Veranstaltung am 17. September verband eine Audio-Ballerina des Künstlers Benoit Maubrey Elemente der Audio- mit der Performancekunst. Beim 1. obARTsymposium, das von der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa gefördert wurde, waren vom 17. bis 20. September hochrangige Persönlichkeiten deutscher, tschechischer und polnischer Kulturinstitutionen, Hochschulen und Stiftungen sowie Künstler aus allen drei Ländern in der ARTresidenz zusammengekommen. Hier hatte man über die zukünftige Zusammenarbeit und zwei Ausstellungsprojekte beraten. Zum einen wird obART durch die künstlerische Belebung des Böhmischen Steigs 2011 an die Landesausstellung Via Regia andocken, zum anderen wird 2012 eine internationale Kunstausstellung im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzgebiet stattfinden.

Als Teil der ehemaligen Prager Straße zieht sich der Böhmische Steig von Bautzen über Kirschau Richtung Süden. Er ist zwar an die Via Regia angeschlossen, die von obART geplante performative und audiokünstlerische Wiederbelebung soll jedoch als eigenständiges Projekt in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Künstlerbund – Landesverband Bildende Kunst e.V. und der Via Regia Sculptura 2011 auch dessen Wichtigkeit als Nord-Süd-Route unterstreichen.

Während des Symposiums erhielt die 2012 geplante internationale Kunstausstellung, deren Arbeitstitel bisher “Projekt 11″ lautete, den Namen “outopoi”. Dieser aus dem griechischen stammende Begriff bedeutet so viel wie “Niemandsorte” und thematisiert damit nicht nur den Punkt zwischen zwei Ländern, sondern auch verschwundene Orte, wie das ehemalige Dorf Fugau/Fukov bei Šluknov in Tschechien. Diese “outopoi” werden von Künstlern wieder sichtbar, hörbar, spürbar und erlebbar gemacht.

Das Vorhaben, zeitgenössische Kunst im ländlichen Raum zu etablieren, lässt sich allerdings nicht ohne Unterstützung realisieren. Denn nur wenn obART seine laufenden Büro- und Personalkosten decken kann, ist das Kunstlabel arbeitsfähig. Deshalb hat obART von der Künstlerin Petra Natascha Mehler zwei Kunstaktien gestalten lassen. Die Aktie “Kirschau blüht”, die in einer Auflage von 300 Stück auf hochwertigem Papier gedruckt wurde, kann für 36 Euro erworben werden. Die Aktie “Komm schnell”, die in einer Auflage von 100 Stück auf original Kirschauer Scheuertuch gedruckt wurde, ist für 100 Euro erhältlich. Die ersten Käufer haben am Tag der offenen Tür bereits eine Kunstaktie mit nach Hause nehmen können und so ihren ganz persönlichen Beitrag zum Gelingen der Vorhaben von obART geleistet.

obART – Kontakt

Stephanie Werth

Waldstraße 23

02681 Kirschau

Tel: 03592 391180

E-Mail: stephanie.werth@obart.eu

Web: www.obart.eu

Bild 1: Diskussionsrunde im Wintergarten der ARTresidenz am 18. September – Foto von Milan Bouska

Bild 2: Illumination der ARTresidenz durch die Künstlerin Andrea Hilger – Foto von Ramona Riedel

Autor:
Datum: Montag, 28. September 2009 13:03
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