Beiträge vom Oktober, 2009

Jour Fixe Exklusiv: In der Restaurierungswerkstatt

Mittwoch, 14. Oktober 2009 10:51

Für-CanalettoJour Fixe: In der Restaurierungswerkstatt

28. Oktober | 19 Uhr | „Für Canaletto“

Treffpunkt: Vor der Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger |freier Eintritt | Gäste 3€

Liebe Junge Freunde,

Den nächsten Jour Fixe widmen wir dem „Canaletto-Blick“. Wir freuen uns auf einen spannenden Abend  in der Restaurierungswerkstatt  und lassen uns von Prof. Marlies Giebe, Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Dr. Andreas Henning,    Konservator für italienische Malerei und Sabine Bendfeld, Dipl. Restauratorin zeigen, wie nach fast 200 Jahren Ausstellungsgeschichte nun die originale Farbsubstanz des venezianischen Meisters wieder freigelegt und dauerhaft gesichert wird.

Seit dem 1. September läuft die vom Freundeskreis der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. initiierte Spendenkampagne „Für Canaletto“ zur grundlegenden Restaurierung des berühmten Canaletto-Gemäldes „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ (1748). Das Gemälde ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Dresdner Kunstsammlungen. Es ist ein Wahrzeichen der Stadt Dresden und prägte ihren Ruf als „Elbflorenz“ wie kein zweites Werk. Leider ist es nicht in dem Zustand, in dem es sich auf den ersten Blick präsentiert. Strahlendiagnostische Untersuchungen haben gezeigt, dass in der Vergangenheit immer wieder Eingriffe und Übermalungen nötig waren, um das Bild mehr als 250 Jahre ausstellungsfähig zu erhalten.

Jetzt wird das Gemälde grundlegend restauriert und wir dürfen hinter die Kulissen schauen. Nutzt die seltene Gelegenheit – wir freuen uns auf Euch!

Britta Sommermeyer und das JUNGE FREUNDE TEAM

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Helfen Sie mit, dieses Dresdner Wahrzeichen zu erhalten.

www.fuer-canaletto.de

Thema: Die jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

Die Künstliche Ruine oberhalb des Friedrichsgrunds in Pillnitz von Johann Daniel Schade

Montag, 12. Oktober 2009 11:56

Künstliche Ruine in Dresden/ Pillnitz„Trotze noch, gesucht, bewundert,
Jedem Sturme manchs Jahrhundert,
Wildenstein der alten Zeit!
Liegt ein Theil von mir in Trümmern,
Seh ich klar die Deutung schimmern:
Gegenwart! – Vergangenheit! – “
[1]

Die Worte des anonymen Dichters aus dem Kreis der 1790 neu gegründeten Wilden- steiner Ritterschaft fassen den romantisch erfüllten Geist der Zeitgenossen sowie das damalige idealisierte Mittelalterbild auf lyrische Weise zusammen. Die Rückbesinnung auf die Ideale und die Moral des längst vergangenen Zeitalters der Ritter und Burgen erfüllte nicht nur die Geisteswelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sondern auch diverse Strömungen in der Literatur sowie innerhalb der bildenden Künste[2]. Die Begeisterung für das vergangene Mittelalter spiegelte sich vor allem in der Architektur an der Schwelle zum 19. Jahrhundert wider[3]. Der aus dem englischen Empire stammende und später als Neugotik bezeichnete Stil benennt diese Strömung innerhalb der Architektur treffend[4]. Die neu entdeckten Bauformen des Mittelalters fanden jedoch nicht nur in den sakralen Großarchitekturen der Zeit ihre Verwendung, sondern auch in der Gestaltung von profanen Repräsentationsgebäuden sowie Verwaltungs- und Wohnbauten[5]. Eine Sonderform innerhalb des repräsentativen neugotischen Bauens, speziell im deutschsprachigen Raum, nehmen dabei die als künstliche Ruinen errichteten Zierarchitekturen der neuen Parkanlagen und Landschaftsgärten ein.

Was ist eigentlich eine künstliche Ruine und welchem Zweck dienten solche Bauten?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es sich bei künstlichen Ruinen um eine Form von Zweckbauten zum Ausstaffieren, also zum Schmücken einer Garten- bzw. Parkanlage vornehmlich im späten 18. Jahrhundert handelt. Es ist bekannt, dass bereits in der Antike herrschaftliche Gärten mittels kleinerer Staffagebauten ausgestattet waren. Die Fortsetzung dieser Ausstaffierung findet sich in den Gärten der Renaissance und des Barocks. In der Gartengestaltung dieser drei Stilepochen sieht Zimmermann eine „Geste militanter Naturbeherrschung (…)“ die sich in diesen Bauten „auf demonstrative Weise architektonisch verwirklicht (…)“ hat[6]. Mit der Überwindung des Barocks, welche sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog, wandte sich auch die Theorie der Gartenkunst vom Prinzip der Naturbeherrschung durch den Menschen ab. Die Natürlichkeit der Landschaft galt nun als höchstes Credo der neuen, aus England stammenden Gartenkunst[7]. Zugleich vollzog sich auch ein Formenwandel innerhalb der Gestaltung der Staffagebauten. Waren es einst noch aufwendige Wasserspiele und prunkvolle, dem jeweiligen Geschmack entsprechende Pavillons, errichtete man nun „einstürzende Architekturen“[8] innerhalb der herrschaftlichen Landschaftsgärten. Die Anzahl der Ruinenarchitekturen ist ebenso mannigfaltig wie die diversen Formen, die solchen Bauwerken durch ihre Erbauer gegeben wurden. So konnten künstliche Ruinen unter anderem stimmungsvolle Imitationen von antiken Tempeln, Grotten, Grab- bzw. Denkmälern oder sogar von Brücken und Aquädukten sein[9]. Es ist jedoch zu beachten, dass künstliche Ruinen nie zusammenhangslos errichtet, sondern stets im Bezug zur Landschaft, des Gartens bzw. des Parks inszeniert wurden. Die Hauptfunktion der künstlichen Ruinen lag darin, dass diese ihrem zumeist fürstlichen Besucher den geeigneten Platz für das einsame Sinnieren über die Vergänglichkeit des Menschen und seiner Werke boten[10]. Wie trefflich schien für diesen Zweck ein Bauwerk, welches bewusst das Stadium des Verfalls aufzeigt und dokumentiert. Zudem galt diese Einsamkeit am verfallenen Ort, fern der Gesellschaft des Hofes, dem aufgeklärten Fürsten als Refugium und Quelle der „wahren Weisheit“ und Erholung[11]. Ganz ähnliche Motive dürften auch zur Errichtung der künstlichen Ruine in Pillnitz geführt haben. Bei der Betrachtung des Pillnitzer Exemplars ist die Tatsache, dass es sich um das idealisierte Bild einer verfallenen hochmittelalterlichen Burg handelt für die weitere Betrachtung unerlässlich.

Die künstlichen gotischen Ruinen nehmen eine Sonderstellung innerhalb der Ruinenarchitektur in den englischen Landschaftsgärten des ausgehenden 18. Jahrhunderts ein[12]. Schon die Zeitgenossen sahen in dieser Form der künstlichen Ruine das ideale architektonische Pendant zum Landschaftsgarten. So rühmte 1792 der preußische Forstrat Carl Willhelm Hennert[13] den gotischen Stil mit den Worten: „Die gothischen Werke der Baukunst haben für unsere deutschen Gärten ungemein viel Gefälliges, und es scheinet, daß fast keine Bauart sich so leicht mit den verschiedenen Gartenscenen verbinden lasse, als die gothische.“[14] Der unterschwänglich benannte Zusammenhang zwischen Nationalgedanken und künstlichen Ruinen, der bei Hennert zu bemerken ist, wird bereits durch den Gartenbauer Johann Wilhelm Beyer[15] 1784 angeführt: „Wollte man aber etwas Nationales von einem Ruin in seinem Garten aufstellen so wäre ein Theil von einem gothischen Tempel (…) sehr geschickt dazu.“[16] Der Nationalgedanke lässt sich laut Zimmermann durch das patriotische Geschichtsbild des deutschen Humanismus erklären[17]. Retrospektivisch sah Erwin Panofsky 1930 ebenfalls eine untrennbare Verbindung zwischen den englischen Landschaftsgärten und den gotischen Ruinen und fasste treffend zusammen: „Die Gotik galt ja von Anbeginn, d.h. seit dem Einsetzen einer kunsttheoretischen Reflexion über den Unterschied zwischen antiker, mittelalterlicher und neuerer Baukunst, nicht nur als ‚regelloser’, sondern auch als ein spezifisch ‚naturhafter’ Stil: als eine aus der Nachahmung lebender Bäume entstandene Bauweise (…).“[18]

Eine weitere wichtige Instanz innerhalb der Betrachtung der künstlichen gotischen Ruinen ist das Mittelalterbild des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Sicherlich gab es kein einheitliches Mittelalterbild, jedoch waren die diversen Anschauungen zumeist von der Begeisterung für die „untergegangene Welt des Mittelalters“ erfüllt[19]. Auch wenn man sich vom Grauen, das dieses Zeitalter charakterisierte abwandte, so sehnte man sich doch stets nach der moralischen Ritterlichkeit und der musischen Kraft, die man inmitten dieser dunklen Jahrhunderte zu erkennen glaubte[20]. Die Mittler zwischen dem vergangenen Mittelalter und dem ausgehenden 18. Jahrhundert fand man in den echten mittelalterlichen Burgen und Ruinen. So fasste der Dichter Carl Philipp Conz[21] sinngemäß zusammen: „Es sind vermischte Gefühle von Wehmut, Schauer und Freude, mit welchen wir an den häufigen Ruinen alter zerstörter Raub- und Ritterschlösser vorübergehen.“[22] Die Affinität zwischen dem damaligen Mittelalterbild und den gotischen Ruinen definiert Hennert in seinem „Beytrag zur Forstwissenschaft und Gartenkunst“ so: „(…) Sie sind also auch für den biedern Deutschen interessant, weil er das Bild der ehemaligen Sitten seiner Vorfahren in dem gothischen Styl findet.“[23]

Der Vorzug gotischer vor antiken Ruinen begründet sich in der Feststellung, dass die antiken Ruinen stets an dem „Triumph der Barbarey über den Geschmack“ während des Untergangs der antiken Welt erinnern würden[24]. Hinzu kommt, dass in den Gebieten Nordeuropas solcherlei gotische Bauten einstmals, im Gegensatz zu den antiken Bauten, existierten und man so tatsächlich Dagewesenes, wenn auch künstlich, rekonstruierte[25]. Die umfangreiche Diskussion der Zeitgenossen wurde von einem, um es mit einem neu-deutschen Begriff zu benennen, außerordentlichen Bauboom ab der Mitte der 1780er Jahre begleitet[26]. Das imposanteste Beispiel stellte hierbei die in ihren Ausmaßen riesige künstliche Burganlage der Löwenburg in Kassel dar[27]. Der Bau der künstlichen Ruine oberhalb des Friedrichsgrunds in Pillnitz fällt ebenfalls genau in diesen Boom hinein. Als besonderen Effekt der Pillnitzer Ruine sieht Zimmermann die gegenseitige Wirkung zwischen dem „gotischen“ Gemäuer und dem barocken Schloss Pillnitz. So kann die Ruine auf dem Hang als bewusst inszenierter „Komplementärbau des modernen Schlosses wahrgenommen werden.”[28] Die über dem Schloss thronende Ruine besitzt zudem den Charakter und die Funktion eines Denkmals für das Mittelalter selbst sowie das Mittelalterbild der Zeit welches der gesamten Anlage die Authentizität einer ehemals an dieser Stelle existenten Ritterburg impliziert[29]. Diesbezüglich wird in der Beschreibung der Baugeschichte der künstlichen Ruine verstärkt einzugehen sein.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei künstlichen Ruinen und speziell bei denen, welche mittelalterliche Bauwerke fingieren um, wie Reinhard Zimmermann es treffend ausdrückt, „fiktive Spolien zur Erzeugung einer idealisierten Vergangenheit“ handelt[30]. Jedoch sind diese Bauwerke nie zusammenhangslos errichtete und auf den Landschaftsgarten beschränkte Szenenbilder, sondern sind immer auch Träger von Gefühlen wie Melancholie, Traditionsbewusstsein und den moralischen Vorstellungen des Erbauers und seiner Zeit.

Was ist der Friedrichsgrund und wo befindet sich die künstliche Ruine?

Luftbild des Pillnitzer Gebiets (c)googleDer Meixgrund, welcher nach dem sächsischen Kurfürsten und späteren König Friedrich August[31] in Friedrichsgrund[32] umbenannt wurde, befindet sich circa 13 Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum, nahe der nord-östlichen Grenze des Stadtteils Pillnitz entfernt. Entlang des Meixbaches, unweit des Pillnitzer Ortkerns zwischen den Auslegern der Borsberghänge und des Pillnitzer Schlossbergs, fügt sich der Friedrichsgrund entlang der schroffen Hänge der Bachsohle in die Tallandschaft der Reitzendorfer Flur ein.

Die dicht bewaldeten Hänge, welche stark von Felsbändern aus Sandstein durchzogen sind, spiegeln eine ähnliche Landschaftssituation wider, wie sie in zahlreichen Mittelgebirgen Zentral- und Nordeuropas zu finden ist. Es sind nicht zuletzt diese Natürlichkeit und die Ruhe des Ortes, die seit jeher Besucher und Wanderer aus Nah und Fern anlocken. So schlängelt sich entlang des Meixbaches in nord-östlicher Ausrichtung ein Wanderpfad, welcher den Bach an mehreren Stellen kreuzt und dort mit kleinen steinernen Brücken überspannt. Dieser Wanderpfad führt, am Ende des Tals angekommen, zur Meixmühle und endet vorerst, wenige hundert Meter weiter südlich auf dem Borsberg. Auf dem Borsberg angekommen, wird der Wanderer mit einem schier endlos scheinenden Blick über das Elbtal bis hin zum Elbsandsteingebirge belohnt. Einem Blick, der nicht nur die Schönheiten und die Größe der Natur offenbart, sondern auch die Gedanken in die lange und bewegte Vergangenheit der Landschaft entführt.

Die Geschichte des Friedrichsgrunds sowie die der künstlichen Ruine lassen sich ebenso wenig voneinander trennen, wie von der des Pillnitzer Schlosses. Daher ist es für das Thema dieses Aufsatzes unerlässlich die Vergangenheit des Pillnitzer Gebiets und des Schlosses, zumindest partiell in die Vorbetrachtungen mit einzubeziehen.

Die Besiedlungsgeschichte des Pillnitzer Gebiets lässt sich anhand von Keramikfunden, welche bei archäologischen Ausgrabungen auf der als „Kanapee“ bezeichneten Bergzunge gemacht worden, bis in die Bronzezeit zurückverfolgen[33]. Man geht davon aus, dass sich im genannten Bereich eine bronzezeitliche Wohn- bzw. Befestigungsanlage befunden haben muss[34]. Als sich während des 6. Jahrhunderts n. Chr. die Landnahme im Elbtal durch slawische Stammesgruppen vollzog, übernahmen diese, wie Hans-Günther Hartmann schlussfolgert, die bronzezeitlichen Anlagen und bauten diese zu einer Wallanlage um und erweiterten diese um einen weiteren Wall auf dem Schlossberg[35]. Reste dieser Wallanlagen lassen sich noch heute auf dem Gebiet zwischen dem Friedrichs- und Vogelgrund erkennen. Diese Wallanlage bot einer slawischen Siedlung Schutz, welche als Vorgängersiedlung des Ortes Pillnitz gilt[36]. An diese ehemalige Siedlung und ihren slawischen Ursprung erinnert heute außer der Endung des Ortsnamens „-nitz“ nichts mehr[37]. Der Grund hierfür liegt in der Errichtung und Erweiterung des Schlosses sowie des Parks zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die sämtliche sichtbaren Spuren der alten Siedlung zerstörte. Einen weiteren Grund dafür, dass von der slawischen Ur-Siedlung keine Reste mehr zu finden bzw. zu erkennen sind, sieht Hans-Günther Hartmann in der Ostexpansion des Heiligen Römischen Reiches, welche den Bereich des heutigen Pillnitz wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erreicht haben dürfte[38]. Es ist höchstwahrscheinlich, dass die neuen Herren aus dem Reich die alte slawische Wallanlage nahe dem späteren Friedrichsgrund für ihre Zwecke weiternutzten und erweiterten. Diese Praxis der Weiternutzung ehemals slawischer Siedlungen und Anlagen war für die Siedlungspolitik der „Altdeutschen“, speziell im sächsischen Elbtal[39] nahezu programmatisch. So findet man ein ähnliches „Nutzungsprinzip“ in der Geschichte des Dresdner Stadtteils Briesnitz, dessen Ursprünge sich ebenfalls in einer slawischen Ur-Siedlung und Wallanlage begründen[40]. In den folgenden zwei Jahrhunderten war das Gau Nisane, wie das Gebiet süd-westlich des sich entwickelnden Dresden genannt wurde, und somit auch das Gebiet um Pillnitz im Besitz des Adelsgeschlechts Dohna[41].  Ein jähes Ende fand die dohnaische Vormachtsstellung in diesem Gebiet durch die als Dohnaische Fehde bekannte Auseinandersetzung die seit 1385 zwischen dem Adelsgeschlecht und dem Meißner Markgrafen Wilhelm I. tobte[42]. In der Vertreibung des dohnaischen Adelsgeschlechts als unmittelbare Folge der 1402 beendeten Fehde änderten sich auch die Machtverhältnisse in und um Pillnitz[43].

In einer Schenkurkunde übertrug Markgraf Wilhelm I. der Familie Karras das Dorf Pillnitz und dessen unmittelbare Umgebung als „Leibgedinge“[44]. In dieser Schenkurkunde vom 5. August 1403 wird der Meix- bzw. Friedrichsgrund erstmals als „Vallis Michcz“ erwähnt[45]. Des Weiteren finden in dieser Schenkurkunde auch die Meixmühle sowie zwei Gutshöfe, ein Ober- und ein Niederhof, ihre erstmalige Erwähnung. Ebenfalls waren mit diesen beiden Höfen, so Hans-Günther Hartmann, zwei burgähnliche Herrensitze verbunden[46]. Dabei wurde ähnlich wie bei den Gutshöfen nach einem oberen und unteren Herrensitz unterschieden. Den oberen dieser beiden Herrensitze verortet Hartmann auf dem Schlossberg. An genau der Stelle wo sich seit 1785 die künstlich Ruine erhebt[47]. Diese Vermutung findet ihre Berechtigung in der Annahme, dass die ehemalige slawische Wallanlage, die zwischen dem Vogel- und Friedrichsgrund lag und später bis zum Schlossberg erweitert wurde, während und nach der Ostexpansion des Heiligen Römischen Reiches weitergenutzt wurde[48]. Ein Beweis für diesen oberen, auf dem Schlossberg gelegenen burgähnlichen Herrensitz findet sich auf einem Vermessungsblatt von Matthias Oeder[49] um 1600. Auf diesem Vermessungsblatt ist auf dem Schlossberg eine Markierung zu finden die mit „Das alte schloß“ überschrieben wurde[50]. Im Gegensatz zu dem zweiten unteren burgähnlichen Herrensitz, der sich unterhalb des Schlossbergs befand und später in den Vorgänger des heutigen Pillnitzer Schlosses überging, finden sich für den oberen Herrensitz keine Bild- bzw. Textquellen. Die Annahme, dass der Platz auf dem man die spätere künstliche Ruine errichtete nicht nur aus Gründen der gelungenen Inszenierung gewählt wurde, erscheint hier zutreffend. Der bewusst hergestellte historisierende Zusammenhang zu dem ehemaligen oberen burgähnlichen Herrensitz an gleicher Stelle unterstreicht diese Annahme.

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Ringvorlesung: Bildersturm. “Betriegliche Bilder” – Bildkult und Bildzerstörung im 16. Jahrhundert

Donnerstag, 8. Oktober 2009 20:25

Bildersturm_Veranstaltungsplakat
Tag / Zeit: Do, 7. DS (18.30 – 20.00 Uhr) Ort: HSZ, Hörsaal 4 ABS, Hörsaal 2 !
Beginn:
15.10.2009

Im Rahmen dieser Ringvorlesung soll an Einzelbeispielen und in ausgewählten Aspekten die Bilderfrage in der Reformationszeit untersucht werden.

Die Frage von Bild und Bildlichkeit ist zu allen Zeiten ein zentrales Thema in der rituellen Gottesverehrung gewesen. Im Monotheismus wurde dem „Abbild“ im Kultraum allerdings mit großer Skepsis begegnet. Dem Bilderverbot im Judentum und später im Islam folgte im Christentum eine intensive Auseinandersetzung über die Frage der Zulässigkeit von Bildern im religiösen Kontext. Zwar wurde im Konzil von Nizäa 787 n. Chr. die Verehrung von Bildern zugelassen, doch die Diskussion um ihre Aufstellung im Kirchenraum war fortan immer wieder Gegenstand theologischer Debatten.

Während der Reformation wurde die Frage um die Bilder, ihre Verehrung und Verwendung zu einer zentralen Problematik. Dabei waren nicht nur der Vorwurf der Götzenverehrung und die Furcht vor Bildern und deren magischen Fähigkeiten die Triebkräfte für die Entfernung und Zerstörung der Bildwerke, sondern auch ihre Eigenschaft als herrschaftliche Zeichen.

15.10.2009

Prof. Dr. Martin Warnke (Hamburg):
Bildersturm – neuere Einsichten der Forschung

22.10.2009

Mattias Dämmig, M.A (TU Dresden, Kunstgeschichte):
Teil 1: Idolatrie im Alten Testament und die Darstellung in der Graphik

Dr. Bertram Kaschek (TU Dresden, Kunstgeschichte)
Teil 2: Bildkritik und Bildersturm in den Niederlanden

05.11.2009

Prof. Dr. Lucas Burkart (Universität Luzern)
Zwischen Bildtheologie, Revolte und städtischer Politik. Der Basler Bildersturm von 1529

12.11.2009

Prof. Dr. Bruno Boerner (Université Rennes/Dresden)
Bildfunktion und Bildkritik im Mittelalter. Eine Vorgeschichte zum Bildersturm.

19.11.2009

Andrea Schmid (HfBK Dresden)
Werktechniken mittelalterlicher Wandmalerei

03.12.2009

Dr. Gudrun Litz (Stadtarchiv Ulm)
Die Bilderfrage im deutschen Südwesten: Theologie und Praxis

10.12.2009

Dr. Angelica Dülberg (Landesamt für Denkmalpflege Sachsen)
Humanistische Bildung und farbenfrohe Lebenslust. Widerspiegelung profaner Lebensart in der anspruchsvollen und vielfältigen malerischen Ausstattung der sächsischen Bürgerhäuser und Schlösser des 16. Jahrhunderts

17.12.2009

Prof. Dr. Gerd Schwerhoff (TU Dresden, Geschichte)
Lästerliche Worte, fromme Taten? Blasphemie und Bildersturm im Vergleich

07.01.2010

Norbert Schnitzler (Hiddenhausen)
Kultur im Widerstreit – Bildkritik und Bildersturm in der europäischen Vormoderne.

14.01.2010

Dr. Thomas Lentes (Universität Münster)
Wer über Bilder streitet, streitet nicht über Bilder. Eine These zum Bilderstreit in Mittelalter und Reformation

21.01.2010

Prof. Dr. Jörg Jochen Berns (Universität Marburg)
Kampf um die Bilder als Kampf um die Seelen – psychologische Dimensionen der deutschen Bilderstreitliteratur des 16. Jahrhunderts

28.01.2010

Prof. Dr. Christoph Herm (HfBK Dresden)
Naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden für Wandmalerei

04.02.2010

Dr. Michael Panzner (Fraunhofer IWS Dresden)
Dipl.-Phys. Wolfram Köhler (Forschungsinstitut für Denkmalpflege und Archäometrie Potsdam)
Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von THz-Strahlung zur Untersuchung von Kunst- und Kulturgut in Hinblick auf die Visualisierung verborgener Wandmalereien

Thema: Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

“Kami. Silence-Action” Workshops

Mittwoch, 7. Oktober 2009 18:26

KONOIKE-Tomoko_mimio-Odyssey_2005Liebe Junge Freunde,

anlässlich der Ausstellung „Kami. Silence – Action“ mit japanischer Gegenwartskunst auf Papier reisen einige Künstler aus Japan nach Dresden – noch im Vorfeld der Ausstellung bieten sie verschiedene Workshops an, die wir euch hiermit sehr empfehlen möchten. Wie man mit echt japanischem Pinsel Manga-Ästhetik und traditionelle Tuschmalerei verbindet, zeigt z.B. schon am Sonntag Mise Natsunosuke. Anmelden könnt ihr euch unter Tel. +49 351 49 14 20 00, 2 € Materialkosten.

Viel Spaß! Euer JUNGE FREUNDE-Team

Sonntag, 11.10. 2009, 14 – 18 Uhr

Workshop mit Mise Natsunosuke – Arbeiten, die Manga und Tuschmalerei miteinander kombinieren. Mise Natsunosuke kombiniert in seinem Werk traditionelle japanische Techniken mit modernen Themen und Gestaltungsweisen.

Donnerstag, 15.10. 2009, 17 – 19 Uhr

Workshop mit Furuhashi Yoshiko – »Aufgelöste Regenbogen«. Arbeiten mit Aquarellfarben. Die Sensibilisierung der Wahrnehmung anhand von Farbmischungen steht im Mittelpunkt des Werkes von Furuhashi Yoshiko.

Freitag, 16.10. 2009, 11 – 13 Uhr

Workshop mit Morikita Shin – Der Künstler vermittelt das Falten eines Kranich-Origami (Ori = F alten /Kami = P apier) und erläutert den Zusammenhangvon japanischer Falttechnik, östlicher Philosophie und seinem Werk.

Rahmendaten:

Residenzschloss, Aktionsraum Tonnengewölbe, max. 15 Teilnehmer, um Voranmeldung unter Tel. +49 351 49 14 20 00 wird gebeten, 2€ Materialkostenbeitrag

Thema: Ausstellungen, Die jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

artefakt sucht Redaktionsnachwuchs!!!

Dienstag, 6. Oktober 2009 19:36

artefakt-sucht_RedaktionsnachwuchsWir suchen Studenten, die sich für Kunst und Kunstgeschichte interessieren – ein Studium der Kunstgeschichte in Heidelberg und andernorts ist nicht zwingend notwendig. Du solltest jedoch überdurchschnittlich engagiert sein, den Umgang mit (fremden) wissenschaftlichen Texten nicht scheuen, gerne schreiben und Zeit haben, dich einzubringen. Über ein kurzes, formloses Motivationsschreiben freuen wir uns!

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Über artefakt

artefakt – Studentische Zeitschrift für Kunstgeschichte und Kunst schafft eine Ebene, auf der studentische Ansätze in der Erforschung kunstgeschichtlicher Themen bundesweit und international vorgestellt und diskutiert werden können. Dabei wendet sich artefakt an den Ideenreichtum und den wissenschaftlichen Ehrgeiz eines jeden Studenten. Die Zeitschrift bietet jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit, Aufsätze online zu publizieren und so bereits während des Studiums aktiv Forschung zu betreiben. Neben den wissenschaftlichen Artikeln beinhaltet die Zeitschrift Exkurse zu kunsthistorischen Themen und weitere studentische Beiträge. Die Redaktion ist für Vorschläge offen, und die Mitgestaltung seitens Studenten angrenzender Disziplinen ist unbedingt erwünscht. Weniger Fakten als vielmehr Fragestellungen und neue kreative Ansätze, die der Kunstgeschichte von heute vielleicht eine neue Richtung weisen können, stehen im Mittelpunkt. Um zeitnah auf aktuelle wissenschaftliche und kulturelle Themen reagieren zu können, erscheint artefakt seit Juli dieses Jahres als E-Journal. Eine Kommentarfunktion ermöglicht die Diskussion über die einzelnen Beiträge.

Web: www.artefakt-sz.net

Kontakt: info@artefakt-sz.net

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