Barock oder Rokoko? Die Genese der Stilbegriffe am Beispiel der Dresdener Architektur des 18. Jahrhunderts

DD_FK_PinderDer Barock hatte es schwer, sich als Stilbegriff in der Kunstwissenschaft zu etablieren. Zu mächtig waren die klassizistischen Vorbehalte gegen diese Kunst der Überladung und Verwilderung. Was die Eingliederung der deutschen Kunst des 18. Jahrhunderts in ein stilgeschichtliches Ordnungsmodell betrifft, so hatte es der Barock zudem von Anfang an mit einem positiver besetzten Konkurrenzbegriff zu tun: dem Rokoko.

Der Vortrag zeichnet die Genese, Differenzierung und Etablierung der beiden Stilbegriffe in den Debatten der deutschen Kunstgeschichtsschreibung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu den 1920er Jahren nach. Die Dresdner Architektur des 18. Jahrhunderts spielte in diesem Diskurs immer wieder eine wichtige Rolle, insbesondere die Hauptwerke Zwinger, Hofkirche und Frauenkirche. Seit der Jahrhundertwende kamen zu den stilistischen zunehmend die Kategorien von Volk, Stamm und Kunstlandschaft hinzu. Der Barock wurde zum deutschen Stil schlechthin erklärt, und das Wesen einer spezifisch sächsischen Kunst konstruiert.

Publikationen zum Thema:

  • Nikolaus Pevsner und der Leipziger Barock, in: Sächsische Heimatblätter, 49, 2003, H. 2, S. 164-174
  • The Formation of Pevsner´s Art History. Nikolaus Pevsner in Germany 1902-1935, in: Peter Draper (Hg.): Reassessing Nikolaus Pevsner, Aldershot 2004, S. 29-55
  • Heinrich Wölfflins Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur (1886), in: Kunstgeschichte-ejournal. Texte zur Diskussion, 2009-48 (urn:nbn:de:0009-23-20781)
  • Kunstlandschaft und Kunstgeschichte. Methodische Probleme und neuere Perspektiven, in: Harald Müller/Heidrun Kecks/Franz Felten (Hg.): Der Begriff der Landschaft in der landeshistorischen Forschung, im Druck.

► Dr. Ute Engel, Studium der Kunstgeschichte, Germanistik, Buchwissenschaft und Geschichte in Mainz und München. Promotion 1993 mit einer Arbeit über die englische Kathedrale von Worcester (Die Kathedrale von Worcester, Berlin/München 2000; Worcester Cathedral. An Architectural History, Chichester 2007).

1994-1996 wissenschaftliche Angestellte, 1997-2007 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz. Seit 2008 Koordinatorin einer interdisziplinären Forschungsinitiative zum UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal am Zentrum für interkulturelle Studien der Universität Mainz. Habilitationsprojekt „Barockforschung. Der deutsche Barock, die deutsche Kunstgeschichte und die Frage der nationalen Identität, ca. 1855-1933“ steht vor dem Abschluss.

Der Vortrag beginnt um 18:30 Uhr und findet statt im Hörsaal 2, Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, August-Bebel-Straße 20, 01219 Dresden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

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Datum: Montag, 2. November 2009 11:36
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