Beiträge vom Dezember, 2009

Künstler für zwei internationale Kunstfestivals gesucht! | Performance- und Hörkunst wird 2010 im sächsischen Kirschau zu erleben sein

Montag, 14. Dezember 2009 22:59

Stuehle_obARTobART – das Kunstlabel im sächsischen Oberland veranstaltet 2010 zwei internationale Kunstfestivals, das Performance Art Festival – grenzART 1 – und obPHON´10 – die Hörkunsttage im Oberland. Ab sofort sind Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich an diesen Kunstfestivals mit Ihren Arbeiten zu beteiligen.

Auf dem Oberland Performance Art Festival – grenzART 1 – vom 22. bis 24. Mai 2010 erhält die Performancekunst in all ihren Facetten Raum zur Entfaltung, um ein gattungsübergreifendes Spektrum der gegenwärtigen Performance-Szene aufzeigen zu können. Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Video-, Licht-, Aktions-, Interventions-, Installations- und Bewegungsperformance werden leere Räume, Hallen und Freiflächen des Industriedorfes Kirschau mit ihren Arbeiten besetzen, um sie für neue Gedankenspiele zu öffnen. Räumliche Übergänge, Grenzen und ihre Zwischenräume sollen dabei zum inhaltlichen Schwerpunkt des Performancefestivals – grenzART 1 – werden. Abgabeschluss für Bewerbungen ist der 28. Februar 2010.

Vom 1. bis 11. Juli 2010 veranstaltet das Kunstlabel obART erstmalig die internationalen Hörkunsttage obPHON´10. Bei diesem Festival schafft obPHON ein Podium für das breite Spektrum akustischer Kunstformen. Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen sich mit ihren Klang-, Geräusch- und Hörinstallationen, Audio-Performances bis hin zu Hörspielproduktionen sowie multimedialen Arbeiten, in denen das auditive Moment eine zentrale Stellung einnimmt, an diesem Festival zu beteiligen. Die Künstlerinnen und Künstler sollen aktiv in den öffentlichen Raum eindringen und somit temporär leer stehende Gebäude, Industrieflächen und markante Orte in der Gemeinde Kirschau künstlerisch beleben. Abgabeschluss für Bewerbungen ist der 31. März 2010.

Den an – grenzART 1 – und obPHON´10 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern bietet obART während eines Künstlercamps vor dem jeweiligen Festival die Gelegenheit, sich mit anderen Künstlern auszutauschen, Kirschau und das Oberland kennen zu lernen, in Ruhe arbeiten sowie Kraft und Energie für die bevorstehenden Veranstaltungen sammeln zu können. Eine begrenzte Anzahl an kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten sind außerdem vorhanden.

Für beide Festivals werden Teams aus kompetenten Multiplikatoren und der künstlerischen Leitung von obART aus den Projekteinreichungen eine Auswahl treffen. Hierfür konnte das Kunstlabel sowohl für – grenzART 1 – als auch für obPHON´10 international anerkannte Persönlichkeiten gewinnen.

Nähere Informationen, Bilder zu möglichen Kunstorten und Bewerbungsmodalitäten finden sich auf www.obart.eu.

Kontakt:

obART

Tel: 03592 391180

E-Mail: post@obart.eu

Web: www.obart.eu

Bild entnommen von www.obart.eu.

Thema: Ausstellungen, Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

Bildraum as Aporia – Netherlandish Pilgrimage and Vision Deferred | Christopher P. Heuer

Mittwoch, 9. Dezember 2009 12:00

Die_Bruecke_Jan_van_ScorelBildraum as Aporia – Netherlandish Pilgrimage and Vision Deferred

Christopher P. Heuer

Assistant Professor der Princeton University, Department of Art and Archaeology

Dienstag, 15. Dezember 2009, 18.30 Uhr

August-Bebel-Straße 20, 01219 Dresden, Hörsaal 2

Like early German landscape, the Netherlandish speciality of the “architectural” picture – the church interior, the fantastic city, the imaginary palace bereft of staffage – has long proven irruptive to iconographic campaigns.

The visual “emptiness” of the genre has frustrated searches for conventional signification, with Dutch scholars often claiming the paintings as unfinished workshop exercises, blueprints for utopian projects, or Reformed statements on figuration’s untruth. In his 1908 ‘Das niederländische Architekturbild’, however, Alois Riegl’s pupil Hans Jantzen argued for the opposite. He used the idea of the Raumbild (loosely: “space-picture”) to describe the genre’s specific visual indeterminacy, its thematization of “space” as potential yet unstable container for reference. How deliberate was this invention on the part of the early modern artists? And how has art history dealt with this apparent category of incongruence? This talk looks at a little-known painting associated with Jan van Scorel (1495-1562) to reconsider the potential of Jantzen’s category of the Raumbild. Rather than rehearse wearisome theorizations of “space” as a pictorial (albeit charged) void in pictorial composition, the talk considers Raum instead as a constitutive presence, a definition, it will be shown, which shares much with late medieval understandings of history.

Christopher P. Heuer specializes in early modern European art, with an emphasis upon Northern painting, architecture, and print culture. He is currently working on the Netherlandish reception of Byzantine icons; a translation of an Alois Riegl essay on Jacob van Ruisdael (1902); and a study of replicative media and failure. His essays have appeared in Word and Image, Res, Artforum, and the Burlington Magazine, and his first book, The City Rehearsed, was the recent recipient of support from the Graham Foundation for Advanced Studies in the Fine Arts. A second project currently underway deals with image projection technology (e.g. slides) and the idea of German art history. Before coming to Princeton, Heuer taught at Columbia, Berkeley and the University of Washington, Seattle. He has been a fellow at the Getty Research Institute, the Centre Canadien d’Architecture, and the Kunsthistorisch Instituut, Leiden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

(Autor: Frank Pawella)

Bild: Jan van Scorel: Die Brücke; 1. Hälfte 16. Jahrhundert; The British Museum, Department of Prints and Drawings; entnommen von www.prometheus-bildarchiv.de

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Beate Gütschow place(ments)

Samstag, 5. Dezember 2009 11:00

Beate-GütschowEine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden | Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse | 10. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

place(ments) – Sonderlich vertraut und zugleich bedrückend fern, schier entlehnt aus einer Zweitrealität wirken die Orte und Architekturen in den Bildern und Videoprojektionen Beate Gütschows, welche zurzeit in der Kunsthalle des Lipsiusbaus ausgestellt sind. Dabei handelt es sich bei den gezeigten Werken nicht um Fotografien im herkömmlichen Sinne, denn nichts in den Bildern existiert wirklich.

Die 1970 in Mainz geborene Fotografin bedient sich bei der Gestaltung beziehungsweise der Inszenierung ihrer Bilder der Technik der Bildmontage. Aus zahlreichen selbst angefertigten Aufnahmen, welche sie in minutiöser Arbeit in einer Datenbank zusammengefasst hat, entwirft sie ihre abgebildeten Architekturen und Landschaften und „baut“ diese am Computer zusammen. Dies geschieht in einer solch präzisen Weise, dass dem Betrachter zumeist verborgen bleibt was tatsächlich „echt“ und was frei erfunden ist. So entstehen großformatige, ideale Landschaften und Architekturportraits, die den Betrachter bewusst in vertraute Szenerien und Umgebungen führen.

LS#3Das „Erfinden“ von Bildräumen sowie die Inszenierung von Bildpersonal innerhalb einer Abbildung sind dabei nichts Neues. Die Kunstgeschichte kennt dieses Prinzip vor allem aus den Stilepochen der ausgehenden Renaissance und des Barock. Maler wie Claude Lorrain, Jacques Stella und Nicolas Poussin schufen ihre fiktiven Landschaften und Architekturen frei aus dem Kopf mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft. Anhand von Skizzen, die in der Natur angefertigt und gesammelt wurden, komponierten bzw. montierten die Künstler im Atelier ihre fantastischen aber auch fantasievollen Werke. Exakt dieser Herangehensweise bedient sich auch Beate Gütschow, nur eben mit den Mitteln der modernen Computer- und Bildbearbeitungstechnik. Vergleichbar sind hierfür vor allem die ausgestellten Fotomontagen aus der ersten Serie „LS“ in der die Fotografin ideale Landschaften kreiert und präsentiert. Die gezeigten Landschaften wirken vertraut, so als hätte man diese beim letzten Sonntagsspaziergang selbst durchwandert. Dass es sich dabei nur um eine Illusion handelt spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

S#22Ebenso verhält es sich bei den präsentierten Fotomontagen aus der zweiten Reihe „S“, welche urbane Landschaften und Großstadtarchitektur zeigt. In ihrer analytischen sowie streng geometrischen Umsetzung erinnern diese Architekturportraits an die dokumentarische Ästhetik der „Anonymen Skulpturen“ des Künstler- und Fotografenehepaars Bernd und Hilla Becher. Passender Weise handelt es sich im Gegensatz zu den Fotomontagen der Serie „LS“ um monochrome Aufnahmen. Auch wenn die abgebildeten Gebäude reine Fantasieprodukte sind, erzeugen diese den Eindruck von realen zum Teil tristen Stadtszenerien, die durch verschiedene Bilderpersonalien ergänzt werden. Durch den erhöhten Blickpunkt erschließt sich eine Perspektive, in der sich die abgebildeten Objekte dem Betrachter unmittelbar gegenüberstellen. Durch das Gegenüberstehen verdeutlicht sich die erwähnte Tristes, die die Architekturaufnahmen innehaben. Denn die Gebäude zeigen klare Spuren des Verfalls und weisen so auf ihren verlorenen Nutzen hin. Durch die Montage erreichen diese aufgebrauchten architektonischen „Raumverpackungen“ eine neue Sinnstufe als Kunstwerk und Denkmal ihrer selbst.

Die dritte Reihe „I“ zeigt ein differenziertes Motivrepertoire. Handelt es sich doch hierbei um eine Art Persiflage bekannter Werbe- und Produktfotografie. In das Zentrum der Bilder rücken nun trivial wirkende Gebrauchs- und Alltagsgegenstände, die durch gelungen Lichtsetzung und Positionierung ähnlich wie teure Markenprodukte präsentiert werden. Aber auch bei diesen Bildern kommt die Technik der Montage zum Einsatz. So werden die Arrangements der Objekte zueinander sowie die Hintergründe am Computer zusammengesetzt. Hierdurch wird die werbetechnische Künstlichkeit der Produktfotografie hervorgehoben und förmlich karikiert. Treffender Weise sind die Fotomontagen als Folien auf Lichtkästen angebracht und wirken so wie Leuchtreklame an bekannten Waren- und Kaufhäusern allerorts.

"R1"+"R2"Ein weiterer direkter Vergleich zwischen den Montagetechnik Beate Gütschows und der Kunstgeschichte bilden die beiden gezeigten Videoprojektionen „R#1 + R#2“ aus dem Jahre 2007. Hierbei stellt die Fotografin einen direkten Bezug zu zwei Werken des niederländischen Landschaftsmaler Jacob Izaakszoon van Ruisdael (* um 1628 – 1682) her. Mittels der Montagetechnik stellt Beate Gütschow die zwei Fassungen von „Der Judenfriedhof“ aus den Jahren 1660 (diese erste Fassung des Bildes befindet sich in der Galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) und 1672 in bewegten Bildern nach. Jacob Izaakszoon van Ruisdael hatte die jüdischen Gräber auf dem Friedhof Beth Haim in Amsterdam skizziert und diese anschließend in eine fiktive Waldlandschaft mit Ruine als Landschaftsgemälde umgesetzt. Beate Gütschow filmte genau diese Gräber und setzte sie ebenfalls in eine Waldlandschaft mit Ruine. Ergänzt werden die beiden Projektionen durch die Klänge eines kleinen Baches und das Rascheln der Blätter im Wind.

Die Ausstellung in ihrer Auswahl und Hängung zeigt einen gelungen Querschnitt des Œuvres Beate Gütschows und dürfte nicht nur Liebhabern zeitgenössischer Fotografie sondern auch Bildgestaltern sowie allen geneigten Besuchern gefallen.

BILDNACHWEIS:

Bild 1: Beat Gütschow: LS#3; 1999; 116 x 169 cm; C – Print; entnommen von: www.beateguetschow.net.

Bild 2: Beat Gütschow: S#22; 2007; 180 x 267 cm; Light Jet Print entnommen von: www.beateguetschow.net.

Bild 3: Ruisdael, Jacob Izaakszoon van: Der Judenfriedhof; 1655/1660; 84 x 95 cm; Leinwand; Galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; entnommen von: www.prometheus-bildarchiv.de

Bild 4: Ruisdael, Jacob Izaakszoon van: Der Judenfriedhof; 1660/1670; 141 cm x 182,9 cmLeinwand; The Detroit Institute of Arts Detroit; entnommen von: www.prometheus-bildarchiv.de

Bild 5: Gütschow, Beate: R#1; 2007; DV; entnommen von: www.acgebbers.com/Anna- Catharina_Gebbers_|_Bibliothekswohnung/Beate_Guetschow_R1_+_R2.html.

Bild 6: Gütschow, Beate: R#2; 2007; DV; entnommen von: www.acgebbers.com/Anna- Catharina_Gebbers_|_Bibliothekswohnung/Beate_Guetschow_R1_+_R2.html.

Weitere Informationen:

www.beateguetschow.net

www.skd-dresden.de

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