Autorenarchiv

Kirche als Baustelle – Große Sakralbauten des Mittelalters 10. – 13. November 2011 im Blockhaus Dresden

Montag, 31. Oktober 2011 1:26

Im Zentrum des Kolloquiums soll die vergleichende wie die detailgenaue, spezifische Analyse der gesellschaftlichen und künstlerischen Bedeutung von Bauprozessen stehen. Diese wären in ihren jeweiligen Ausprägungen, Strategien und ästhetischen Auswirkungen darzustellen, wobei die Aspekte von Partizipation und die Techniken der Verweigerung von besonderem Interesse wären.

Bei dem oft langwierigen Bau großer mittelalterlicher Kirchen war das Engagement verschiedener Personen und Gruppen erforderlich. Diese vermochten es oft, sich aufgrund ihrer Beiträge für den Bau innerhalb des jeweiligen sozialen Gefüges neu zu positionieren. Umgekehrt löste der hauptverantwortliche Bauherr stets einen Prozess aus, den er in seiner zeitlichen Dauer nicht überblicken konnte, dessen potenzielle soziale Dynamik er in der Regel nicht einzuschätzen vermochte und dessen endgültige künstlerische Gestaltung darüber hinaus unabsehbar war. Vielfältige Partizipation am Kirchenbau war somit zwar notwendig und erwünscht, aber teilweise auch problematisch, wenn nicht gar umkämpft, sodass es in der Regel zur Lenkung und nicht selten auch zur Verweigerung der Teilhabe kam. Dies alles ist historisch anhand sozialer Arrangements wie kunsthistorisch an den Bauten selbst ablesbar, doch nur selten auf einfache, leicht durchschaubare Art. So stellt sich in jedem Einzelfall die Frage, ob ein Neubau gesellschaftliche Entwicklungen auslöste oder eher zu deren Verweigerung beitrug. Wie spiegelt sich dies am Bau selbst wider? Wurden die Risiken am Ende gar – so die Vermutung – durch perfektionierte Planung und Organisation sowie die Transzendierung der künstlerischen Qualität des jeweiligen Bauwerks der individuellen Partizipation entzogen? Könnte das seit der Renaissance gültige Paradigma, dass Architektur auch Kunst sei, eventuell eine Reaktion auf die Kontingenz mittelalterlicher Bauprozesse sein?

Weitere Informationen zum Tagungsprogramm unter: www.kirchealsbaustelle.de

Thema: Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

Jour fixe JUNGE FREUNDE: Das mystische Auge – Spanische Malerei in der Gemäldegalerie Alte Meister

Freitag, 18. Februar 2011 12:02

Mittwoch, 23. Februar 2011, 19 Uhr | Das mystische Auge – Spanische Malerei in der Gemäldegalerie Alte Meister Kuratorenführung | Semperbau im Zwinger, Treffpunkt: Eingang Gemäldegalerie Alte Meister | Freier Eintritt JUNGE FREUNDE, Gäste (bis 35 Jahre): 3 €

Liebe JUNGE FREUNDE,

die Werke der spanischen Maler wie El Greco, Diego Velázquez oder Jusepe de Ribera gehören mit zu den herausragendsten Schätzen der Gemäldegalerie Alte Meister. Sie sind repräsentativ für die gesamte spanische Kunst – immer wieder stoßen wir bei den Gemälden auf eine Inszenierung des Blickes und die Kunst des Sehens. Die Frage nach Raum und Licht ist dabei mit einer bis in die Mystik reichenden, tiefen Religiosität verbunden, die man „typisch spanisch“ nennen könnte. Mit Dr. Sebastian Oesinghaus begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise in die göttliche und irdische Welt der spanischen Künstler.

Im Anschluss treffen wir uns ab 20:30 Uhr zum Stammtisch im Alten Wettbüro.

Britta Sommermeyer und das Team der JUNGEN FREUNDE

Tel.: + 49 (0) 351 4914 2623
Fax.: + 49 (0) 351 4914 7777
Britta.Sommermeyer@skd.museum
www.freunde-skd.de


Thema: Die jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden | Kommentare (0) | Autor:

Präsentation der Publikationsreihe “Werkmeister der Spätgotik”

Donnerstag, 25. März 2010 18:43

Werkmeister der Spätgotik | 16. April 2010, 16:00 Uhr | Dompropstei Meißen |  Domplatz 7,  01662 Meißen

Baukünstlerisch, ingenieurtechnisch und organisatorisch begabte Werkmeister, welche als Hauptakteure der spätgotischen Baukunst gelten, prägten wie nie zuvor die Architektur ihrer Zeit. Sie waren als Planer, Erfinder, Bauhüttenleiter, Gutachter, Berater sowie Ausführende an den großen Bauwerken beteiligt. In ihren Werken spiegelt sich eine markante Veränderung des Architektenberufs wider, aber auch unterschiedliche Auffassungen der Architektur und ihrer Funktionen lassen sich daran ablesen. In beiden Publikationen wird dieser Wandel untersucht, wobei das bisherige Bild der Werkmeister in Bezug auf Methodik, Quellen und Literatur neu betrachtet wurde.

Mit Beiträgen von Christoph Brachmann, Franz Bischoff, Johann Josef Böker, Stefan Bürger, Günter Donath, Christian Freigang,  Wolfram Günther,  Leonhard Helten,  Stephan Hoppe, Bruno Klein, Ulrich Knapp, Peter Kurmann, Brigitte Kurmann-Schwarz, Heinrich Magirius, Norbert Nussbaum, María José Sierra, Katja Schröck, Dirk Schumann, Marc Carel Schurr, David Wendland.

Programm:

Begrüßung

Günter Donath
Dombaumeister zu Meißen, Architekt

Prof. Dr. Bruno Klein
Professor für Christliche Kunst der Spätantike und des Mittelalters am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden

Präsentation der Werkmeisterbände

„Werkmeister der Spätgotik -
Position und Rolle der Architekten im
Bauwesen des 14. bis 16. Jahrhunderts“

und

„Werkmeister der Spätgotik -
Personen, Amt und Image“

Festvortrag

Dr. Stefan Bürger
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kunst- und Musik-wissenschaft der TU Dresden

__________________________________________________________________________

Mit freundlicher Unterstützung von:

Thema: Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

Beate Gütschow place(ments)

Samstag, 5. Dezember 2009 11:00

Beate-GütschowEine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden | Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse | 10. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010

place(ments) – Sonderlich vertraut und zugleich bedrückend fern, schier entlehnt aus einer Zweitrealität wirken die Orte und Architekturen in den Bildern und Videoprojektionen Beate Gütschows, welche zurzeit in der Kunsthalle des Lipsiusbaus ausgestellt sind. Dabei handelt es sich bei den gezeigten Werken nicht um Fotografien im herkömmlichen Sinne, denn nichts in den Bildern existiert wirklich.

Die 1970 in Mainz geborene Fotografin bedient sich bei der Gestaltung beziehungsweise der Inszenierung ihrer Bilder der Technik der Bildmontage. Aus zahlreichen selbst angefertigten Aufnahmen, welche sie in minutiöser Arbeit in einer Datenbank zusammengefasst hat, entwirft sie ihre abgebildeten Architekturen und Landschaften und „baut“ diese am Computer zusammen. Dies geschieht in einer solch präzisen Weise, dass dem Betrachter zumeist verborgen bleibt was tatsächlich „echt“ und was frei erfunden ist. So entstehen großformatige, ideale Landschaften und Architekturportraits, die den Betrachter bewusst in vertraute Szenerien und Umgebungen führen.

LS#3Das „Erfinden“ von Bildräumen sowie die Inszenierung von Bildpersonal innerhalb einer Abbildung sind dabei nichts Neues. Die Kunstgeschichte kennt dieses Prinzip vor allem aus den Stilepochen der ausgehenden Renaissance und des Barock. Maler wie Claude Lorrain, Jacques Stella und Nicolas Poussin schufen ihre fiktiven Landschaften und Architekturen frei aus dem Kopf mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft. Anhand von Skizzen, die in der Natur angefertigt und gesammelt wurden, komponierten bzw. montierten die Künstler im Atelier ihre fantastischen aber auch fantasievollen Werke. Exakt dieser Herangehensweise bedient sich auch Beate Gütschow, nur eben mit den Mitteln der modernen Computer- und Bildbearbeitungstechnik. Vergleichbar sind hierfür vor allem die ausgestellten Fotomontagen aus der ersten Serie „LS“ in der die Fotografin ideale Landschaften kreiert und präsentiert. Die gezeigten Landschaften wirken vertraut, so als hätte man diese beim letzten Sonntagsspaziergang selbst durchwandert. Dass es sich dabei nur um eine Illusion handelt spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

S#22Ebenso verhält es sich bei den präsentierten Fotomontagen aus der zweiten Reihe „S“, welche urbane Landschaften und Großstadtarchitektur zeigt. In ihrer analytischen sowie streng geometrischen Umsetzung erinnern diese Architekturportraits an die dokumentarische Ästhetik der „Anonymen Skulpturen“ des Künstler- und Fotografenehepaars Bernd und Hilla Becher. Passender Weise handelt es sich im Gegensatz zu den Fotomontagen der Serie „LS“ um monochrome Aufnahmen. Auch wenn die abgebildeten Gebäude reine Fantasieprodukte sind, erzeugen diese den Eindruck von realen zum Teil tristen Stadtszenerien, die durch verschiedene Bilderpersonalien ergänzt werden. Durch den erhöhten Blickpunkt erschließt sich eine Perspektive, in der sich die abgebildeten Objekte dem Betrachter unmittelbar gegenüberstellen. Durch das Gegenüberstehen verdeutlicht sich die erwähnte Tristes, die die Architekturaufnahmen innehaben. Denn die Gebäude zeigen klare Spuren des Verfalls und weisen so auf ihren verlorenen Nutzen hin. Durch die Montage erreichen diese aufgebrauchten architektonischen „Raumverpackungen“ eine neue Sinnstufe als Kunstwerk und Denkmal ihrer selbst.

Die dritte Reihe „I“ zeigt ein differenziertes Motivrepertoire. Handelt es sich doch hierbei um eine Art Persiflage bekannter Werbe- und Produktfotografie. In das Zentrum der Bilder rücken nun trivial wirkende Gebrauchs- und Alltagsgegenstände, die durch gelungen Lichtsetzung und Positionierung ähnlich wie teure Markenprodukte präsentiert werden. Aber auch bei diesen Bildern kommt die Technik der Montage zum Einsatz. So werden die Arrangements der Objekte zueinander sowie die Hintergründe am Computer zusammengesetzt. Hierdurch wird die werbetechnische Künstlichkeit der Produktfotografie hervorgehoben und förmlich karikiert. Treffender Weise sind die Fotomontagen als Folien auf Lichtkästen angebracht und wirken so wie Leuchtreklame an bekannten Waren- und Kaufhäusern allerorts.

"R1"+"R2"Ein weiterer direkter Vergleich zwischen den Montagetechnik Beate Gütschows und der Kunstgeschichte bilden die beiden gezeigten Videoprojektionen „R#1 + R#2“ aus dem Jahre 2007. Hierbei stellt die Fotografin einen direkten Bezug zu zwei Werken des niederländischen Landschaftsmaler Jacob Izaakszoon van Ruisdael (* um 1628 – 1682) her. Mittels der Montagetechnik stellt Beate Gütschow die zwei Fassungen von „Der Judenfriedhof“ aus den Jahren 1660 (diese erste Fassung des Bildes befindet sich in der Galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) und 1672 in bewegten Bildern nach. Jacob Izaakszoon van Ruisdael hatte die jüdischen Gräber auf dem Friedhof Beth Haim in Amsterdam skizziert und diese anschließend in eine fiktive Waldlandschaft mit Ruine als Landschaftsgemälde umgesetzt. Beate Gütschow filmte genau diese Gräber und setzte sie ebenfalls in eine Waldlandschaft mit Ruine. Ergänzt werden die beiden Projektionen durch die Klänge eines kleinen Baches und das Rascheln der Blätter im Wind.

Die Ausstellung in ihrer Auswahl und Hängung zeigt einen gelungen Querschnitt des Œuvres Beate Gütschows und dürfte nicht nur Liebhabern zeitgenössischer Fotografie sondern auch Bildgestaltern sowie allen geneigten Besuchern gefallen.

BILDNACHWEIS:

Bild 1: Beat Gütschow: LS#3; 1999; 116 x 169 cm; C – Print; entnommen von: www.beateguetschow.net.

Bild 2: Beat Gütschow: S#22; 2007; 180 x 267 cm; Light Jet Print entnommen von: www.beateguetschow.net.

Bild 3: Ruisdael, Jacob Izaakszoon van: Der Judenfriedhof; 1655/1660; 84 x 95 cm; Leinwand; Galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; entnommen von: www.prometheus-bildarchiv.de

Bild 4: Ruisdael, Jacob Izaakszoon van: Der Judenfriedhof; 1660/1670; 141 cm x 182,9 cmLeinwand; The Detroit Institute of Arts Detroit; entnommen von: www.prometheus-bildarchiv.de

Bild 5: Gütschow, Beate: R#1; 2007; DV; entnommen von: www.acgebbers.com/Anna- Catharina_Gebbers_|_Bibliothekswohnung/Beate_Guetschow_R1_+_R2.html.

Bild 6: Gütschow, Beate: R#2; 2007; DV; entnommen von: www.acgebbers.com/Anna- Catharina_Gebbers_|_Bibliothekswohnung/Beate_Guetschow_R1_+_R2.html.

Weitere Informationen:

www.beateguetschow.net

www.skd-dresden.de

Thema: Ausstellungen, Wissenswertes | Kommentare (2) | Autor:

Die Künstliche Ruine oberhalb des Friedrichsgrunds in Pillnitz von Johann Daniel Schade

Montag, 12. Oktober 2009 11:56

Künstliche Ruine in Dresden/ Pillnitz„Trotze noch, gesucht, bewundert,
Jedem Sturme manchs Jahrhundert,
Wildenstein der alten Zeit!
Liegt ein Theil von mir in Trümmern,
Seh ich klar die Deutung schimmern:
Gegenwart! – Vergangenheit! – “
[1]

Die Worte des anonymen Dichters aus dem Kreis der 1790 neu gegründeten Wilden- steiner Ritterschaft fassen den romantisch erfüllten Geist der Zeitgenossen sowie das damalige idealisierte Mittelalterbild auf lyrische Weise zusammen. Die Rückbesinnung auf die Ideale und die Moral des längst vergangenen Zeitalters der Ritter und Burgen erfüllte nicht nur die Geisteswelt des ausgehenden 18. Jahrhunderts, sondern auch diverse Strömungen in der Literatur sowie innerhalb der bildenden Künste[2]. Die Begeisterung für das vergangene Mittelalter spiegelte sich vor allem in der Architektur an der Schwelle zum 19. Jahrhundert wider[3]. Der aus dem englischen Empire stammende und später als Neugotik bezeichnete Stil benennt diese Strömung innerhalb der Architektur treffend[4]. Die neu entdeckten Bauformen des Mittelalters fanden jedoch nicht nur in den sakralen Großarchitekturen der Zeit ihre Verwendung, sondern auch in der Gestaltung von profanen Repräsentationsgebäuden sowie Verwaltungs- und Wohnbauten[5]. Eine Sonderform innerhalb des repräsentativen neugotischen Bauens, speziell im deutschsprachigen Raum, nehmen dabei die als künstliche Ruinen errichteten Zierarchitekturen der neuen Parkanlagen und Landschaftsgärten ein.

Was ist eigentlich eine künstliche Ruine und welchem Zweck dienten solche Bauten?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es sich bei künstlichen Ruinen um eine Form von Zweckbauten zum Ausstaffieren, also zum Schmücken einer Garten- bzw. Parkanlage vornehmlich im späten 18. Jahrhundert handelt. Es ist bekannt, dass bereits in der Antike herrschaftliche Gärten mittels kleinerer Staffagebauten ausgestattet waren. Die Fortsetzung dieser Ausstaffierung findet sich in den Gärten der Renaissance und des Barocks. In der Gartengestaltung dieser drei Stilepochen sieht Zimmermann eine „Geste militanter Naturbeherrschung (…)“ die sich in diesen Bauten „auf demonstrative Weise architektonisch verwirklicht (…)“ hat[6]. Mit der Überwindung des Barocks, welche sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog, wandte sich auch die Theorie der Gartenkunst vom Prinzip der Naturbeherrschung durch den Menschen ab. Die Natürlichkeit der Landschaft galt nun als höchstes Credo der neuen, aus England stammenden Gartenkunst[7]. Zugleich vollzog sich auch ein Formenwandel innerhalb der Gestaltung der Staffagebauten. Waren es einst noch aufwendige Wasserspiele und prunkvolle, dem jeweiligen Geschmack entsprechende Pavillons, errichtete man nun „einstürzende Architekturen“[8] innerhalb der herrschaftlichen Landschaftsgärten. Die Anzahl der Ruinenarchitekturen ist ebenso mannigfaltig wie die diversen Formen, die solchen Bauwerken durch ihre Erbauer gegeben wurden. So konnten künstliche Ruinen unter anderem stimmungsvolle Imitationen von antiken Tempeln, Grotten, Grab- bzw. Denkmälern oder sogar von Brücken und Aquädukten sein[9]. Es ist jedoch zu beachten, dass künstliche Ruinen nie zusammenhangslos errichtet, sondern stets im Bezug zur Landschaft, des Gartens bzw. des Parks inszeniert wurden. Die Hauptfunktion der künstlichen Ruinen lag darin, dass diese ihrem zumeist fürstlichen Besucher den geeigneten Platz für das einsame Sinnieren über die Vergänglichkeit des Menschen und seiner Werke boten[10]. Wie trefflich schien für diesen Zweck ein Bauwerk, welches bewusst das Stadium des Verfalls aufzeigt und dokumentiert. Zudem galt diese Einsamkeit am verfallenen Ort, fern der Gesellschaft des Hofes, dem aufgeklärten Fürsten als Refugium und Quelle der „wahren Weisheit“ und Erholung[11]. Ganz ähnliche Motive dürften auch zur Errichtung der künstlichen Ruine in Pillnitz geführt haben. Bei der Betrachtung des Pillnitzer Exemplars ist die Tatsache, dass es sich um das idealisierte Bild einer verfallenen hochmittelalterlichen Burg handelt für die weitere Betrachtung unerlässlich.

Die künstlichen gotischen Ruinen nehmen eine Sonderstellung innerhalb der Ruinenarchitektur in den englischen Landschaftsgärten des ausgehenden 18. Jahrhunderts ein[12]. Schon die Zeitgenossen sahen in dieser Form der künstlichen Ruine das ideale architektonische Pendant zum Landschaftsgarten. So rühmte 1792 der preußische Forstrat Carl Willhelm Hennert[13] den gotischen Stil mit den Worten: „Die gothischen Werke der Baukunst haben für unsere deutschen Gärten ungemein viel Gefälliges, und es scheinet, daß fast keine Bauart sich so leicht mit den verschiedenen Gartenscenen verbinden lasse, als die gothische.“[14] Der unterschwänglich benannte Zusammenhang zwischen Nationalgedanken und künstlichen Ruinen, der bei Hennert zu bemerken ist, wird bereits durch den Gartenbauer Johann Wilhelm Beyer[15] 1784 angeführt: „Wollte man aber etwas Nationales von einem Ruin in seinem Garten aufstellen so wäre ein Theil von einem gothischen Tempel (…) sehr geschickt dazu.“[16] Der Nationalgedanke lässt sich laut Zimmermann durch das patriotische Geschichtsbild des deutschen Humanismus erklären[17]. Retrospektivisch sah Erwin Panofsky 1930 ebenfalls eine untrennbare Verbindung zwischen den englischen Landschaftsgärten und den gotischen Ruinen und fasste treffend zusammen: „Die Gotik galt ja von Anbeginn, d.h. seit dem Einsetzen einer kunsttheoretischen Reflexion über den Unterschied zwischen antiker, mittelalterlicher und neuerer Baukunst, nicht nur als ‚regelloser’, sondern auch als ein spezifisch ‚naturhafter’ Stil: als eine aus der Nachahmung lebender Bäume entstandene Bauweise (…).“[18]

Eine weitere wichtige Instanz innerhalb der Betrachtung der künstlichen gotischen Ruinen ist das Mittelalterbild des ausgehenden 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts. Sicherlich gab es kein einheitliches Mittelalterbild, jedoch waren die diversen Anschauungen zumeist von der Begeisterung für die „untergegangene Welt des Mittelalters“ erfüllt[19]. Auch wenn man sich vom Grauen, das dieses Zeitalter charakterisierte abwandte, so sehnte man sich doch stets nach der moralischen Ritterlichkeit und der musischen Kraft, die man inmitten dieser dunklen Jahrhunderte zu erkennen glaubte[20]. Die Mittler zwischen dem vergangenen Mittelalter und dem ausgehenden 18. Jahrhundert fand man in den echten mittelalterlichen Burgen und Ruinen. So fasste der Dichter Carl Philipp Conz[21] sinngemäß zusammen: „Es sind vermischte Gefühle von Wehmut, Schauer und Freude, mit welchen wir an den häufigen Ruinen alter zerstörter Raub- und Ritterschlösser vorübergehen.“[22] Die Affinität zwischen dem damaligen Mittelalterbild und den gotischen Ruinen definiert Hennert in seinem „Beytrag zur Forstwissenschaft und Gartenkunst“ so: „(…) Sie sind also auch für den biedern Deutschen interessant, weil er das Bild der ehemaligen Sitten seiner Vorfahren in dem gothischen Styl findet.“[23]

Der Vorzug gotischer vor antiken Ruinen begründet sich in der Feststellung, dass die antiken Ruinen stets an dem „Triumph der Barbarey über den Geschmack“ während des Untergangs der antiken Welt erinnern würden[24]. Hinzu kommt, dass in den Gebieten Nordeuropas solcherlei gotische Bauten einstmals, im Gegensatz zu den antiken Bauten, existierten und man so tatsächlich Dagewesenes, wenn auch künstlich, rekonstruierte[25]. Die umfangreiche Diskussion der Zeitgenossen wurde von einem, um es mit einem neu-deutschen Begriff zu benennen, außerordentlichen Bauboom ab der Mitte der 1780er Jahre begleitet[26]. Das imposanteste Beispiel stellte hierbei die in ihren Ausmaßen riesige künstliche Burganlage der Löwenburg in Kassel dar[27]. Der Bau der künstlichen Ruine oberhalb des Friedrichsgrunds in Pillnitz fällt ebenfalls genau in diesen Boom hinein. Als besonderen Effekt der Pillnitzer Ruine sieht Zimmermann die gegenseitige Wirkung zwischen dem „gotischen“ Gemäuer und dem barocken Schloss Pillnitz. So kann die Ruine auf dem Hang als bewusst inszenierter „Komplementärbau des modernen Schlosses wahrgenommen werden.”[28] Die über dem Schloss thronende Ruine besitzt zudem den Charakter und die Funktion eines Denkmals für das Mittelalter selbst sowie das Mittelalterbild der Zeit welches der gesamten Anlage die Authentizität einer ehemals an dieser Stelle existenten Ritterburg impliziert[29]. Diesbezüglich wird in der Beschreibung der Baugeschichte der künstlichen Ruine verstärkt einzugehen sein.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich bei künstlichen Ruinen und speziell bei denen, welche mittelalterliche Bauwerke fingieren um, wie Reinhard Zimmermann es treffend ausdrückt, „fiktive Spolien zur Erzeugung einer idealisierten Vergangenheit“ handelt[30]. Jedoch sind diese Bauwerke nie zusammenhangslos errichtete und auf den Landschaftsgarten beschränkte Szenenbilder, sondern sind immer auch Träger von Gefühlen wie Melancholie, Traditionsbewusstsein und den moralischen Vorstellungen des Erbauers und seiner Zeit.

Was ist der Friedrichsgrund und wo befindet sich die künstliche Ruine?

Luftbild des Pillnitzer Gebiets (c)googleDer Meixgrund, welcher nach dem sächsischen Kurfürsten und späteren König Friedrich August[31] in Friedrichsgrund[32] umbenannt wurde, befindet sich circa 13 Kilometer vom Dresdner Stadtzentrum, nahe der nord-östlichen Grenze des Stadtteils Pillnitz entfernt. Entlang des Meixbaches, unweit des Pillnitzer Ortkerns zwischen den Auslegern der Borsberghänge und des Pillnitzer Schlossbergs, fügt sich der Friedrichsgrund entlang der schroffen Hänge der Bachsohle in die Tallandschaft der Reitzendorfer Flur ein.

Die dicht bewaldeten Hänge, welche stark von Felsbändern aus Sandstein durchzogen sind, spiegeln eine ähnliche Landschaftssituation wider, wie sie in zahlreichen Mittelgebirgen Zentral- und Nordeuropas zu finden ist. Es sind nicht zuletzt diese Natürlichkeit und die Ruhe des Ortes, die seit jeher Besucher und Wanderer aus Nah und Fern anlocken. So schlängelt sich entlang des Meixbaches in nord-östlicher Ausrichtung ein Wanderpfad, welcher den Bach an mehreren Stellen kreuzt und dort mit kleinen steinernen Brücken überspannt. Dieser Wanderpfad führt, am Ende des Tals angekommen, zur Meixmühle und endet vorerst, wenige hundert Meter weiter südlich auf dem Borsberg. Auf dem Borsberg angekommen, wird der Wanderer mit einem schier endlos scheinenden Blick über das Elbtal bis hin zum Elbsandsteingebirge belohnt. Einem Blick, der nicht nur die Schönheiten und die Größe der Natur offenbart, sondern auch die Gedanken in die lange und bewegte Vergangenheit der Landschaft entführt.

Die Geschichte des Friedrichsgrunds sowie die der künstlichen Ruine lassen sich ebenso wenig voneinander trennen, wie von der des Pillnitzer Schlosses. Daher ist es für das Thema dieses Aufsatzes unerlässlich die Vergangenheit des Pillnitzer Gebiets und des Schlosses, zumindest partiell in die Vorbetrachtungen mit einzubeziehen.

Die Besiedlungsgeschichte des Pillnitzer Gebiets lässt sich anhand von Keramikfunden, welche bei archäologischen Ausgrabungen auf der als „Kanapee“ bezeichneten Bergzunge gemacht worden, bis in die Bronzezeit zurückverfolgen[33]. Man geht davon aus, dass sich im genannten Bereich eine bronzezeitliche Wohn- bzw. Befestigungsanlage befunden haben muss[34]. Als sich während des 6. Jahrhunderts n. Chr. die Landnahme im Elbtal durch slawische Stammesgruppen vollzog, übernahmen diese, wie Hans-Günther Hartmann schlussfolgert, die bronzezeitlichen Anlagen und bauten diese zu einer Wallanlage um und erweiterten diese um einen weiteren Wall auf dem Schlossberg[35]. Reste dieser Wallanlagen lassen sich noch heute auf dem Gebiet zwischen dem Friedrichs- und Vogelgrund erkennen. Diese Wallanlage bot einer slawischen Siedlung Schutz, welche als Vorgängersiedlung des Ortes Pillnitz gilt[36]. An diese ehemalige Siedlung und ihren slawischen Ursprung erinnert heute außer der Endung des Ortsnamens „-nitz“ nichts mehr[37]. Der Grund hierfür liegt in der Errichtung und Erweiterung des Schlosses sowie des Parks zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die sämtliche sichtbaren Spuren der alten Siedlung zerstörte. Einen weiteren Grund dafür, dass von der slawischen Ur-Siedlung keine Reste mehr zu finden bzw. zu erkennen sind, sieht Hans-Günther Hartmann in der Ostexpansion des Heiligen Römischen Reiches, welche den Bereich des heutigen Pillnitz wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erreicht haben dürfte[38]. Es ist höchstwahrscheinlich, dass die neuen Herren aus dem Reich die alte slawische Wallanlage nahe dem späteren Friedrichsgrund für ihre Zwecke weiternutzten und erweiterten. Diese Praxis der Weiternutzung ehemals slawischer Siedlungen und Anlagen war für die Siedlungspolitik der „Altdeutschen“, speziell im sächsischen Elbtal[39] nahezu programmatisch. So findet man ein ähnliches „Nutzungsprinzip“ in der Geschichte des Dresdner Stadtteils Briesnitz, dessen Ursprünge sich ebenfalls in einer slawischen Ur-Siedlung und Wallanlage begründen[40]. In den folgenden zwei Jahrhunderten war das Gau Nisane, wie das Gebiet süd-westlich des sich entwickelnden Dresden genannt wurde, und somit auch das Gebiet um Pillnitz im Besitz des Adelsgeschlechts Dohna[41].  Ein jähes Ende fand die dohnaische Vormachtsstellung in diesem Gebiet durch die als Dohnaische Fehde bekannte Auseinandersetzung die seit 1385 zwischen dem Adelsgeschlecht und dem Meißner Markgrafen Wilhelm I. tobte[42]. In der Vertreibung des dohnaischen Adelsgeschlechts als unmittelbare Folge der 1402 beendeten Fehde änderten sich auch die Machtverhältnisse in und um Pillnitz[43].

In einer Schenkurkunde übertrug Markgraf Wilhelm I. der Familie Karras das Dorf Pillnitz und dessen unmittelbare Umgebung als „Leibgedinge“[44]. In dieser Schenkurkunde vom 5. August 1403 wird der Meix- bzw. Friedrichsgrund erstmals als „Vallis Michcz“ erwähnt[45]. Des Weiteren finden in dieser Schenkurkunde auch die Meixmühle sowie zwei Gutshöfe, ein Ober- und ein Niederhof, ihre erstmalige Erwähnung. Ebenfalls waren mit diesen beiden Höfen, so Hans-Günther Hartmann, zwei burgähnliche Herrensitze verbunden[46]. Dabei wurde ähnlich wie bei den Gutshöfen nach einem oberen und unteren Herrensitz unterschieden. Den oberen dieser beiden Herrensitze verortet Hartmann auf dem Schlossberg. An genau der Stelle wo sich seit 1785 die künstlich Ruine erhebt[47]. Diese Vermutung findet ihre Berechtigung in der Annahme, dass die ehemalige slawische Wallanlage, die zwischen dem Vogel- und Friedrichsgrund lag und später bis zum Schlossberg erweitert wurde, während und nach der Ostexpansion des Heiligen Römischen Reiches weitergenutzt wurde[48]. Ein Beweis für diesen oberen, auf dem Schlossberg gelegenen burgähnlichen Herrensitz findet sich auf einem Vermessungsblatt von Matthias Oeder[49] um 1600. Auf diesem Vermessungsblatt ist auf dem Schlossberg eine Markierung zu finden die mit „Das alte schloß“ überschrieben wurde[50]. Im Gegensatz zu dem zweiten unteren burgähnlichen Herrensitz, der sich unterhalb des Schlossbergs befand und später in den Vorgänger des heutigen Pillnitzer Schlosses überging, finden sich für den oberen Herrensitz keine Bild- bzw. Textquellen. Die Annahme, dass der Platz auf dem man die spätere künstliche Ruine errichtete nicht nur aus Gründen der gelungenen Inszenierung gewählt wurde, erscheint hier zutreffend. Der bewusst hergestellte historisierende Zusammenhang zu dem ehemaligen oberen burgähnlichen Herrensitz an gleicher Stelle unterstreicht diese Annahme.

Thema: Wissenswertes | Kommentare (6) | Autor:

„Mit dem Fahrrad zur Milchstraße – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Hoffmann“ – Ein Einblick.

Samstag, 25. Juli 2009 17:21

milchstraße

Three, two, one! Lift off! – Und los geht’s zur Milchstraße, vorbei an mit Pfeilen schießenden Amazonen, futuristischen Wandbehängen aus Carbon und Edelstahl, entlang hunderter Nägel, mitten durch optische Täuschungen und tanzende nackte Rentner, weiter zu einer jungen Frau, die Wasser schlürft auf dessen Oberfläche sich ihr Antlitz spiegelt, kurzer Stopp zum Tastendrücken und Bilderbewegen, über die Sternenstaubwolke zurück zur Erde. – Wahnsinn!

Wer sich jetzt leicht verwundert fragt was der Autor dieses Artikels eigentlich sagen will, fragt zu Recht. Dieser, nahezu dadaistisch wirkende, Schachtelsatz versucht die ersten Reaktionen des Autors auf die soeben besuchte Ausstellung “Mit dem Fahrrad zur Milchstraße – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Hoffmann” im Dresdner Lipsiusbau zu beschreiben. Seit dem 20. Juni 2009 kann diese, im wahrsten Sinne des Wortes, bunte Mischung aus Malerei, dynamischen sowie interaktiven Installationen, Videokunst, Fotografie, Skulptur und Modellen besucht und bewundert werden. Eine illustre Schau, deren Bandbreite zahlreiche künstlerische Gattungen umspannt. Ähnlich facettenreich sind die verschiedenen Stile und Künstler, die in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen wurden und nun den Besuchern gegenüberstehen. Unter den ausgewählten Stücken zahlreicher nationaler und internationaler Künstler finden sich Werke von Größen wie Frank Stella, Andy Warhol und Matthew Ritchie, die die Originalität der in Berlin beheimateten Sammlung des Ehepaars Erika und Rolf Hoffmann unterstreichen und auszeichnen. Eine weitere Besonderheit ist die Konzeption der Ausstellung, die eigens von der Sammlerin Erika Hoffmann-Koenige, welche die Sammlung seit 2001 alleine fortführt, entwickelt wurde. So bekommt man einen intimen Einblick in die Beziehung der Besitzerin zu ihrer Kunst. Ergänzt durch die Möglichkeit mittels Fußpedalen manches Werk in Bewegung zu versetzen bleibt der Besucher nicht hinter der Wand des Betrachtens stehen, sondern kann sich als Teil des Werks fühlen. All dies bildet nur einen ersten Eindruck der Ausstellung; jedoch sollte dieser ausreichen, um für eine Reise durch die Milchstraße und zurück zu begeistern. Also, in den Sattel und losgeradelt!

Mit dem Fahrrad zur Milchstraße – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Hoffmann

20. Juni bis 20. September 2009

Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, Georg-Treu-Platz 2

www.skd-dresden.de

www.sammlung-hoffmann.de

Titelbild: Richard Phillips, Origins of the Milky Way, 1998/ Öl auf Leinwand. | Andreas Gosch, Lipsius Drillinge, 2009/ Fotografie.

Thema: Ausstellungen, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

Carl Gustav Carus – Natur und Idee

Freitag, 3. Juli 2009 11:07

Carl Gustav Carus - Natur und IdeeWenn man über Carl Gustav Carus sprechen oder schreiben möchte, wird es einem schwer fallen die Attribute geniereich oder universalgelehrt zu vermeiden. Wie kaum einer seiner Zeitgenossen schaffte es Carus innerhalb seines Schaffens die beiden Stiefschwestern Wissenschaft und Kunst zu vereinen und zu einem Höhepunkt zu führen. Carus, der als Mediziner seit 1814 in Dresden tätig war, beschäftigte sich schon früh mit der Malerei und hinterließ ein beachtliches Œuvre, welches seinen romantischen Blick für die Natur und die Dinge in ihr zeigt.[1] Seit dem 26. Juni 2009 kann dieses in den Räumen der Galerie Alte Meister und denen des Kupferstich-Kabinetts Dresden begutachtet werden. Bereits einen Tag eher hatten Mitglieder der K-DD-Redaktion die Gelegenheit die Ausstellung „Carl Gustav Carus – Natur und Idee“, im Rahmen der feierlichen Eröffnung zu besuchen und einen umfassenden Einblick in das Schaffen des homo universalis Carus zu gewinnen.

Den Besucher erwartet ein gelungener Querschnitt durch die zahlreichen Motive und Perspektiven mit denen Carus dem Betrachter unter anderem zu den Küsten Italiens, Rügens und zu den Pillnitzer Elbhängen führt. Den rund 250 Werken von Carus sind zahlreiche Gemälde anderer zeitgenössischer Maler wie Johann Christian Clausen Dahl und vor allem Casper David Friedrich gegenübergestellt[2]. Eine mit Hintergedanken zusammengestellte Auswahl – denn speziell zu Friedrich bestand eine schöpferische und gegenseitig künstlerisch fruchtbare Freundschaft[3]. So wirkt es kaum verwunderlich, dass zahlreiche Gemälde Carus’ eine gewisse Spur des „friedrichschen“ Werks besitzen. Den Darstellungen des aufbrausenden Meeres, welches wenige Momente später ruhend und friedlich scheint, gebührt eine ebenso besondere Stellung wie den sakralen Architekturdarstellungen und romantischen Szenen, die Mensch und Natur in Einklang zeigen. Auch spiegelt sich in zahlreichen Ausstellungsstücken die Begeisterung Carus’ für Lichtreflexion und Wolkenkonstellationen wider. So ist auf manchem Gemälde der sanfte Schein des Mondes zu finden, der zaghaft die auf die nächtliche Küste zuschwebenden Wolkenberge berührt. Zahlreiche medizinische Exponate und Instrumente sowie die mannigfaltigen anatomischen Studien- und Skizzenblätter, die obligatorisch für das Schaffen Carus’ als Arzt sind, runden die Ausstellung ab. Ein lohnenswerter Programmpunkt für jeden Dresdenbesuch und eine grandiose Möglichkeit das Schaffen eines Mannes zu erfahren, der es in gekonnter Manier verstand Körper und Seele seiner Zeitgenossen zu heilen. Fazit: Mehr als sehenswert!

Ausstellung des Kupferstich-Kabinetts und der Galerie Neue Meister in Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie Berlin.
Residenzschloss Dresden und Semperbau am Zwinger
26. Juni bis 20. September 2009

Im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten wurde der Direktor des Kupferstich-Kabinetts, Prof. Dr. Wolfgang Holler gen Weimar verabschiedet. Die K-DD-Redaktion sowie die Kunstgeschichtsstudierenden der TU Dresden danken Herrn Holler für sein Lehrengagement und seine mitreißende Art. Viel Erfolg und Bis bald.

Weitere Informationen: www.skd-dresden.de

[1] Jansen, Elmar: Carl Gustav Carus; Dresden, 1986.

[2] http://www.skd-dresden.de/de/ausstellungen/aktuell/Carus_Natur_und_Idee.html

[3] Howoldt, Jenns E.: Von Caspar David Friedrich zu Carl Gustav Carus : Landschaftsmalerei zwischen ästhetischer Autonomie und wissenschaftlichem Anspruch; 2002. In: Expedition Kunst – Die Entdeckung der Natur von C.D. Friedrich bis Humboldt; Hamburg, 2002, S. 9 – 17.

Thema: Ausstellungen, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

„Moderne braucht Vergangenheit“ – 5 Jahre Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung an der TU Dresden

Mittwoch, 3. Dezember 2008 15:08

Keine Moderne ohne Vergangenheit, das könnte ein Wahlspruch für den Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung sein. Dieser existiert seit nunmehr 5 Jahren an der TU Dresden. Am 28.11.2008 war dieses Jubiläum Anlass für einen feierlichen Festakt in den Räumen des Landesamtes für Denkmalpflege im Dresdner Ständehaus.

Neben einleitenden Grußworten, unter anderem von Prof. Rosemarie Pohlack, Landeskonservatorin von Sachsen, Prof. Hermann Kokenge, Rektor der TU Dresden und Gerhard Eichhorn, dem Vorstandsmitglied der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, standen eine thematische Einführung durch Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer, Stiftungsprofessur der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, auf dem weiteren Programm der Feierlichkeiten. Prof. Hermann Kokenge, Gerhard Eichhorn und auch Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer lobten die Interdisziplinarität und die zukunftsweisende Beispielfunktion des Masterstudienganges. Dieser ist nicht zuletzt ein Ergebnis der guten Kooperation und einem erfolgreichen Gedankenaustausch zwischen der TU Dresden, dem Landesamtes für Denkmalpflege und dem Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau. Alle Redner hoben das enorme Engagement von Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier heraus, welcher als Mitbegründer und Koordinator des Masterstudiengangs an der TU Dresden Teil am grandiosen Erfolg des Ganzen hat. Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer fasste es so zusammen: „Ohne Hans-Rudolf Meier hätte der Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung nie seinen heutigen Rang in Lehre und Präsenz erreicht.”

Auf die stimmungsvollen Grußworte folgte ein denkwürdiger Vortrag von Prof. Dr. Dr. hc. Hans Joachim Meyer, Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst a.D., der die Frage: „Braucht die Moderne keine Vergangenheit?” zu beantworten suchte und die Denkmalpflege zum Anwalt jeglicher Form von Kunst proklamierte, welche nicht mehr für sich selbst sprechen kann – und lobte so den Anspruch und die Aufgabe des Masterstudiengangs Denkmalpflege und Stadtentwicklung. Im Anschluss trug Prof. Dr. Werner Sewing seine Erkenntnisse über den Mythos „europäische Stadt” vor und betonte, dass die Wahrnehmung und Wahrung des kulturellen Erbes innerhalb der heutigen Stadtentwicklung zentrale Grundpfeiler der modernen Denkmalpflege darstellen.

Den Abschluss des offiziellen Teils bildeten Erfahrungsberichte über den Studienalltag von Dr. Susanne Jaeger, langjähriger Mitarbeiterin am Studiengang und von Absolventen die innerhalb ihrer Ausführungen besonders die „Nichtverschulung” des postgradualen Studiengangs in Zeiten des Bologna-Prozesses in den Vordergrund stellten.

Der gesamte Festakt stand und steht als gelungene Bilanz eines innovativen Prozesses der nicht nur für die TU Dresden richtungweisend ist.

Man kann gespannt und sicher sein, dass die Wirkung und die Ergebnisse des Masterstudiengangs Denkmalpflege und Stadtentwicklung auch zum 10. Jubiläum erneut den Anlass zu einem verdienten Festakt bieten werden. Exemplarisch steht der Masterstudiengang für eine positive Entwicklung innerhalb der Architektur-, Kultur- und Geisteswissenschaft und zeigt zum einen, dass die Vergangenheit den Grund und Ausgangspunkt für jede Form von Moderne bildet und die Beschäftigung und die Wahrung der Vergangenheit eindeutig zur Aufgabe jeglicher Kultur zählt.

Keine Moderne ohne Vergangenheit.

Text und Fotos: Olav Helbig und Andreas Gosch

______________________________________________________________________________

Weitere Informationen:

Kontakt: Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Sekretariat: Frau Peggy Torau / Email: info@masterstudiengang-denkmalpflege.de / Telefon: 0351-463 39500

Technische Universität Dresden / Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung / 01062 Dresden

www.masterstudiengang-denkmalpflege.de

Infobroschüre zum Studiengang (.pdf)

Thema: Interviews und Veranstaltungen, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

MADONNA MEETS MAO – DIE PARTY

Montag, 3. November 2008 21:53

Die Jungen Freunde und Altes Wettbüro präsentieren:

MADONNA MEETS MAO – DIE PARTY

Dienstag, 18. November 2008, ab 20 Uhr, 5 EUR Eintritt, Mitglieder JUNGE FREUNDE Eintritt frei!
Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, Dresden (Straßenbahn Synagoge, Theaterplatz)

MADONNA MEETS MAO – DIE PARTY öffnet die Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau exklusiv am Abend und holt Musik in die Räume der Kunst: „Bodi Bill” im Live-Konzert und DJ „Studio 17″. Neben feinstem Berliner Elektropop und Dresdner DJ für die Ohren gibt es im wahrsten Sinne Großes für die Augen: Man kann einen echten Warhol sehen, in die Massenszenen Gurskys abtauchen oder die Wucht der Malerei Bacons erleben – die Ausstellung mit Werken aus der Yageo-Foundation macht’s möglich. Neben dem „Who is who” der westlichen Kunst nach 1945 zeigt die Schau auch chinesische und taiwanesische Kunst der Gegenwart und der 1920er bis 1940er Jahre: Madonna meets Mao. Wer mehr wissen will über die Werke und die Ausstellung, der schließt sich einer unserer Kurzführungen an. Und wer Lust auf einen Drink hat, ist an unserer Bar genau richtig. Wir können schon mal im Voraus versichern: Tolle Kunst, Super Musik!

Eine Veranstaltung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden MUSEIS SAXONICIS USUI e.V. und dem Alten Wettbüro, Dresden.

______________________________________________________________________________

ACHTUNG: WER JETZT FÜR 2009 den JUNGEN FREUNDEN des MSU BEITRITT, BEKOMMT DIE ZEIT BIS ZUM JAHRESWECHSEL GESCHENKT UND FREIEN EINTRITT ZUR PARTY! Einfach anmelden unter www.freunde-skd.de

Ausstellungen entdecken, Künstler befragen, Kontakte knüpfen, zusammen feiern, über Kunst und Kultur diskutieren,…

das sind die JUNGEN FREUNDE bis 35 Jahre!

Ihr habt freien Eintritt in alle elf Museen und deren Sonderausstellungen +++ ihr nehmt kostenlos an Vorträgen, Kunstgesprächen und Führungen teil +++ ihr bekommt Einladungen zu den Eröffnungen +++ ihr werdet per E-Mail über das aktuelle Geschehen informiert +++ ihr nehmt kostenlos an allen „WIR SIND FREUNDE“- Veranstaltungen teil +++ für nur 24 Euro im Jahr!

Thema: Ausstellungen, Die jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Veranstaltungstipps | Kommentare (0) | Autor:

Denkmal und Stadt. Bewahren – Vermitteln – Entwickeln. Fünf Jahre Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Donnerstag, 30. Oktober 2008 15:35

An der TU Dresden ist vor fünf Jahren der Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung eingerichtet worden. Er macht die Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen in einem Aufbaustudiengang mit der komplexen Wechselwirkung von Denkmalpflege und Stadtentwicklung vertraut. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels lernen die Studierenden vielfältige Entwicklungsperspektiven der Stadt kennen. Gleichzeitig bereiten wir sie auf ein breites Spektrum beruflicher Wirkungsmöglichkeiten vor.

Wir nehmen das fünfjährige Bestehen des Studiengangs zum Anlass für eine Festveranstaltung, die auf diese Schwerpunktsetzungen in Vorträgen und Gesprächen Bezug nimmt und Interessenten sowie Freunden und Förderern Gelegenheit gibt, unsere Absolventen und deren beruflichen Werdegang näher kennen zu lernen.

Wir würden uns außerordentlich freuen, wenn Sie Zeit und Interesse hätten, an unserer Veranstaltung teilzunehmen und freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Festveranstaltung

Termin: Freitag, 28. November 2008

Ort: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Schlossplatz 1, 01067 Dresden

Beginn: 11:00 Uhr

Programm:

Begrüßung

Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst (angefragt)

Prof. Dr.-Ing. Rosemarie Pohlack
Sächsische Landeskonservatorin

Prof. Hermann Kokenge
Rektor der TU Dresden

Prof. Dr. Dr.-Ing. E.h. Gottfried Kiesow
Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Einführung

Dr. Ingrid Scheurmann und Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer

Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung / Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung und Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau

Vorträge

Prof. Dr. Dr. hc. Hans Joachim Meyer, Berlin

Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst a.D.
“Braucht die Moderne keine Vergangenheit?”

— Imbiss  (ca. 13 Uhr) —

Prof. Dr. Werner Sewing, Berlin / Karlsruhe

“Mythos als Leitbild: Die europäische Stadt”

Studium und Studierende

Dr. Susanne Jaeger und Dr. Lars Scharnholz

Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung

M.Sc. Dominique Fliegler M.A.

Dipl.-Ing. Jasmin Castro-Frenzl M.Sc.

Dipl.-Ing. Gregor Herberholz M.Sc.

Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Empfang und zur Besichtigung der Ausstellung Denkmal und Stadt. Bewahren – Vermitteln – Entwickeln.

Um Antwort wird gebeten bis zum 20. November 2008!

______________________________________________________________________________

Kontakt: Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Sekretariat: Frau Peggy Torau / Email: peggy.torau@tu-dresden.de / Telefon: 0351-463 39500

Technische Universität Dresden / Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung / 01062 Dresden

www.masterstudiengang-denkmalpflege.de

Infobroschüre zum Studiengang (.pdf)

Thema: Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor: