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Barock oder Rokoko? Die Genese der Stilbegriffe am Beispiel der Dresdener Architektur des 18. Jahrhunderts

Montag, 2. November 2009 11:36

DD_FK_PinderDer Barock hatte es schwer, sich als Stilbegriff in der Kunstwissenschaft zu etablieren. Zu mächtig waren die klassizistischen Vorbehalte gegen diese Kunst der Überladung und Verwilderung. Was die Eingliederung der deutschen Kunst des 18. Jahrhunderts in ein stilgeschichtliches Ordnungsmodell betrifft, so hatte es der Barock zudem von Anfang an mit einem positiver besetzten Konkurrenzbegriff zu tun: dem Rokoko.

Der Vortrag zeichnet die Genese, Differenzierung und Etablierung der beiden Stilbegriffe in den Debatten der deutschen Kunstgeschichtsschreibung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu den 1920er Jahren nach. Die Dresdner Architektur des 18. Jahrhunderts spielte in diesem Diskurs immer wieder eine wichtige Rolle, insbesondere die Hauptwerke Zwinger, Hofkirche und Frauenkirche. Seit der Jahrhundertwende kamen zu den stilistischen zunehmend die Kategorien von Volk, Stamm und Kunstlandschaft hinzu. Der Barock wurde zum deutschen Stil schlechthin erklärt, und das Wesen einer spezifisch sächsischen Kunst konstruiert.

Publikationen zum Thema:

  • Nikolaus Pevsner und der Leipziger Barock, in: Sächsische Heimatblätter, 49, 2003, H. 2, S. 164-174
  • The Formation of Pevsner´s Art History. Nikolaus Pevsner in Germany 1902-1935, in: Peter Draper (Hg.): Reassessing Nikolaus Pevsner, Aldershot 2004, S. 29-55
  • Heinrich Wölfflins Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur (1886), in: Kunstgeschichte-ejournal. Texte zur Diskussion, 2009-48 (urn:nbn:de:0009-23-20781)
  • Kunstlandschaft und Kunstgeschichte. Methodische Probleme und neuere Perspektiven, in: Harald Müller/Heidrun Kecks/Franz Felten (Hg.): Der Begriff der Landschaft in der landeshistorischen Forschung, im Druck.

► Dr. Ute Engel, Studium der Kunstgeschichte, Germanistik, Buchwissenschaft und Geschichte in Mainz und München. Promotion 1993 mit einer Arbeit über die englische Kathedrale von Worcester (Die Kathedrale von Worcester, Berlin/München 2000; Worcester Cathedral. An Architectural History, Chichester 2007).

1994-1996 wissenschaftliche Angestellte, 1997-2007 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz. Seit 2008 Koordinatorin einer interdisziplinären Forschungsinitiative zum UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal am Zentrum für interkulturelle Studien der Universität Mainz. Habilitationsprojekt „Barockforschung. Der deutsche Barock, die deutsche Kunstgeschichte und die Frage der nationalen Identität, ca. 1855-1933“ steht vor dem Abschluss.

Der Vortrag beginnt um 18:30 Uhr und findet statt im Hörsaal 2, Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, August-Bebel-Straße 20, 01219 Dresden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Thema: Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor: admin

Die Dresdner Frauenkirche – Wunder aus Stein

Donnerstag, 13. November 2008 19:43

3355 Sandsteine – so nüchtern kann man die berühmteste Kuppel Dresdens beschreiben.[1] Das wird ihr allerdings keinesfalls gerecht denn sie gehört zu einem der emotionalsten Bauwerke Deutschlands. Die Rede ist vom Wahrzeichen der Elbestadt, der berühmten Frauenkirche auf dem Neumarkt, die mit ihrer monumentalen Steinkuppel die einzigartige Silhouette der vieltürmigen Stadt prägt. Als exklusiver Aussichtspunkt steht sie diesmal im Fokus der Dokumentationsreihe „Über den Dächern – Dresden, Stadt der Türme”.

Ratszimmermeister George Bähr legte 1726 den Grundstein für den prächtigen Kirchbau, der die zu klein gewordene und baufällige gotische Vorgängerkirche ablösen sollte. Der aus dem Erzgebirge stammende Baumeister hatte bis dato zwar schon an einigen Kirchbauten mitgewirkt, doch mit dem Bau der Frauenkirche erhielt sein Schaffen zweifellos eine völlig neue Dimension. Die Ansprüche an Bähr waren hoch, denn der frisch gekürte König von Polen, August der Starke, wollte „sein” Dresden mit einem prächtigen Sakralbau schmücken, um es konkurrenzfähig zu anderen Residenzen zu machen. Obwohl er selber zum Katholizismus übergetreten war, sicherte er seinen Untertanen die Religionsfreiheit zu und förderte gleichzeitig das Frauenkirchprojekt.

Zunächst plante George Bähr einen Zentralbau mit vier Ecktürmchen aus Stein und einer großen, kupfergedeckten Hauptkuppel. Da den Rat der Stadt auch damals schon Geldsorgen plagten und Kupfer ein sehr teures Material war, beschloss man nach kurzer Zeit, auch den Kuppelanlauf in Stein zu bauen. Schon zu diesem Zeitpunkt führte Bähr die Mauern stärker aus, als sie für eine Holzkuppel hätten sein müssen denn insgeheim träumte er, der gelernte Zimmermann, von einer komplett steinernen Kuppel. Nach jahrelangem Streit um die technische Machbarkeit eines solch gigantischen Projektes stimmten die Stadtväter George Bährs Plänen 1728 schließlich zu weil sie sich von der Kostengünstigkeit dieser Variante überzeugen ließen. Eine steinerne Kuppel war zwar nicht alltäglich, jedoch auch kein Novum in dieser Zeit. Ähnliche Konstruktionen kannte man damals z.B. aus Florenz oder Rom. Das wirklich faszinierende und bis heute weltweit einmalige an George Bährs Schöpfung war und ist die geschwungene Form der Frauenkirchenkuppel, die an eine Glocke erinnert und ihr so den liebevollen Namen „Steinerne Glocke” einbrachte.

202 Jahre lang trotzte die Steinerne Glocke allen Widrigkeiten und überstand sogar den Bombenhagel des II. Weltkrieges unbeschadet. Zum Verhängnis wurde ihr erst die große Hitze des Feuersturms, der nach den Luftangriffen vom 13. Februar 1945 in Dresden loderte, den Sandstein verbrannte und die Kirche zum Einsturz brachte. Erfolgreich wehrte sich die Bevölkerung zu DDR-Zeiten gegen die Räumung der Ruine. Insgeheim hofften die Menschen immer auf einen Wiederaufbau ihrer lieb gewonnenen Kirche, die zwar als Trümmerberg Mahnmal für den Frieden geworden war aber trotzdem dem Stadtbild in ihrer Schönheit fehlte. Kurz nach der Wende war die Zeit schließlich reif für den „Ruf aus Dresden”.[2] Dieser Aufruf zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche als ein Mahnmal und Zentrum für Frieden und Versöhnung ging um die Welt und regte Tausende zum Spenden an. Es folgten 12 hoch emotionale Jahre des Wiederaufbaus für Bauherren, Handwerker, Spender und die Dresdner Bürger. Mit modernster Technik und alter Handwerkskunst wurde das Projekt angegangen und gleichzeitig wurde versucht, so viel wie möglich Originalmaterial zu verwenden. 2005 konnte die Frauenkirche schließlich wiedergeweiht werden – dank der großzügigen Spendenbereitschaft sogar früher als geplant. Seitdem trohnt die Steinerne Glocke wieder über den Dächern des neu entstehenden Neumarktes. Weit ist ihr Glockengeläut zu hören und die Aussichtsplattform der Laterne lädt zum Aufstieg ein.

In einzigartiger Weise fügte George Bähr die Kuppel mit dem Rumpf der Frauenkirche über einen 11 m hohen, konkaven Tambourzylinder so zusammen, dass es keinerlei Unterschied mehr zwischen Dach und Wandflächen gibt. Es existiert praktisch nur eine Struktur – die Außenhaut. Lediglich die vier kleinen Glockentürme scheinen aus den Mauern des Kirchenraumes zu erwachsen um die Steinerne Glocke zu rahmen. Das barocke Wechselspiel zwischen konkavem und konvexem Schwung verleiht der Kuppel der Frauenkirche ihre außerordentliche Schönheit. Etwas eigenwillig wirkt die aufgesetzte, offene Laterne, die die 25 m hohe Kuppel abschließt und selbst noch vom Turmkreuz bekrönt wird.

Plastizität bringen schmale, lisenenartige Steinbänder, das horizontal umlaufende Fries sowie unterschiedlich große Fenster ins Spiel. Da die Kuppel enorm groß ist und somit starken Kräften standhalten muss, wurde sie – im Gegensatz zum Rest der Kirche – ausschließlich aus einwandfreiem, neuem Sandstein errichtet. Um statische Probleme vollständig auszuschließen, zog man zusätzlich acht Spannanker aus Edelstahl ein.

Ein wirkliches Erlebnis ist der Kuppelaufstieg. In 67 m Höhe hat man bei gutem Wetter eine exzellente Aussicht auf die Weiten des Elbtals, die Sächsische Schweiz und Dresden. Doch schon der Gang nach oben innerhalb der Kuppel birgt ganz eigene Reize.

Die Besteigung wird völlig separat vom Kirchenraum von der „Kuppelaufstieg Frauenkirche Dresden GmbH” durchgeführt. Zugang und Kasse befinden sich im Eingang G direkt gegenüber vom Coselpalais. Zwar sind die Eintrittspreise von 8 € für Erwachsene, 5 € für Ermäßigungsberechtigte und 20 € für Familien[3] nicht gerade knapp bemessen, trotzdem lohnt sich diese Geldanlage meiner Meinung nach sehr.

Zuerst gelangt man mit einem Fahrstuhl auf 24 m Höhe, von wo aus man seine Reise zu Fuß durch die Kuppel fortsetzt. Ein stufenlos ansteigender Wendelgang windet sich direkt zwischen Außen- und Innenkuppel in die Höhe und bietet zwischendurch durch Öffnungen in der Innenkuppel herrliche Ausblicke hinunter in die Kuppel und sogar in den Kirchenraum. Kurz bevor man diese 14% steile Rampe betritt, hat man darüber hinaus die Möglichkeit, den Kuppelmalereien von Giovanni Battista Grone, die 2004 von Christoph Wetzel wieder erschaffen wurden, auf Augenhöhe zu begegnen. Ergriffen blickt man nach oben und unten – in die Weite der Kuppel und die Weite des prächtig geschmückten Kirchenraumes – und wird mit zunehmender Höhe einfach überwältigt von der Erhabenheit dieser Kirche. Dem schlichten Wendelgang folgen noch zwei schmale, recht steile Treppen ehe man die Aussichtsplattform erreicht und seinen Blick nach Herzenslust schweifen lassen kann.

Öffnungszeiten:    März bis Oktober

Montag bis Sonnabend 10-18 Uhr

Sonntag 12:30-19 Uhr

November bis Februar

Montag bis Sonnabend 10-16 Uhr

Sonntag 12:30-16 Uhr


[1] Die Anzahl der Steine bezieht sich auf die Außenhaut der Außenkuppel (ohne Hintermauerung)

[2] Fakten zur Geschichte und technische Angaben entnommen aus: Helfricht, Jürgen: Die Dresdner Frauenkirche. Eine Chronik von 1000 bis heute, Husum 2003, 6. grundlegend aktualisierte Auflage 2006.

[3] Entnomen aus: http://www.frauenkirche-dresden.de/kuppelaufstieg.html

Thema: Wissenswertes, Über den Dächern - Dresden, Stadt der Türme | Kommentare (0) | Autor: Claudia Kemna

Der Rathausturm – Dresdens Größter

Freitag, 8. August 2008 20:09

Wenn man auf den Hängen des Elbtals wandert, zwischen den Weinreben des Meissner Spaargebirges hin und her schlendert und selbst während eines Spaziergangs auf dem über Pillnitz thronenden Schlossberg sieht man ihn – den Turm des Dresdner Rathauses. Wie ein riesiger, schwarzer Polstab einer übergroßen urbanen Sonnenuhr markiert dieses Bauwerk nicht nur Dresdens Mitte, sondern ist seit jeher einer der lohnensten Aussichtpunkte über die Landeshauptstadt. Grund genug diesen Turm in der Mini-Dokumentation „Über den Dächern – Dresden, Stadt der Türme“ auf Kunstgeschichten-Dresden.de vorzustellen.

Der, von 1905 bis 1910, im Zuge des Rathausneubaus, von den Architekten Karl Roth und Edmund Bräter, errichtete Turm, erreicht eine Höhe von 95,25m. Ergänzt durch die goldene Herkulesstatue von Richard Guhr besitzt der Rathausturm eine Gesamthöhe von 100,30m und ist somit Dresdens höchster Turm[1]. Ein Umstand, der dem letzten König von Sachsen Friedrich August III. missfallen haben dürfte, da er noch vor dem Baubeginn angeordnet hatte, dass der Rathausturm nicht höher, als der des Schlosses – der Hausmannturm mit 100m – sein dürfe. Ob Friedrich August diese „bürgerliche Unflätigkeit“ je auffiel, ist historisch nicht belegt. Eine kunsthistorische Beschreibung und Einordnung hingegen hätte ihn sicherlich interessiert.

Die Grundform des Turms bildet ein sich nach oben hin verjüngendes, oktogonales Prisma aus Sandstein, dessen Ecken durch flache Wandpfeiler verstärkt sind. Horizontal ist der Turm durch flache, unprofilierte Gesimse gegliedert. Wandpfeiler und Gesimse ergeben geschossweise, orthogonale Seiten – Traveen – die durch quadratische Fenster durchbrochen sind. Das siebte und achte Geschoss, heben sich nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Höhe von den unteren Geschossen ab, sondern auch in ihrer bau- und formstrukturellen Gestaltung. Dieses Doppelobergeschoss hebt sich durch eine weitere Balustrade von dem unteren Geschoss ab. Auf jeder Seite befinden sich hohe, orthogonale Fenster, über denen jeweils noch Kleineres sitzt. Diese baugleichen Fenster lokalisieren das achte Geschoss - man kann dieses als Zwischen- oder Mezaningeschoss beschreiben. Die Ecken des Prismas werden nun nicht mehr durch flache Wandpfeiler verstärkt, sondern durch ein Zwillingspaar unkanelierter Säulen mit ionischen Kapitellen. Die Säulen tragen jeweils ein sich vom Wandniveau des Oktogons abhebendes Gebälkelement, das durch seine umlaufende Überdachung einen gelungenen Übergang zum darüber liegenden Geschoss bildet. Das neunte Geschoss des Rathausturms besitzt die Höhe der Geschosse eins bis sechs. Die Ecken werden nun wieder durch flache Wandpfeiler verstärkt, die jeweils aus den bereits erwähnten Gebälken hervorgehen. Durchleuchtet wird das neunte Geschoss durch elliptische Ochsenaugen. Das für den Besucher interessanteste Geschoss – hier befindet sich der Aussichtsrundgang – ist das zehnte bzw. elfte Geschoss des Turms. Umringt von einer weiteren Balustrade umläuft hier ein Laufgang den oktogonalen Baukörper. Auf den Kanten, die sich durch die Schnittpunkte der Balustradenseiten ergeben, befindet sich jeweils ein Figurenpaar aus Sandstein. Diese sechzehn übermannshohen Figuren wurden von den Bildhauern Peter Pöppelmann, August Schreitmüller, Bruno Fischer und Arthur Selbmann geschaffen. In wiefern Ersterer mit dem berühmten Zwingerbildhauer Matthäus Daniel Pöppelmann verwandt ist, ist nicht belegt – zumindest stammten beide aus Westfalen. Die Figuren stellen die sechzehn Tugenden Güte, Weisheit, Aufopferung, Stärke, Beharrlichkeit, Mut, Treue, Glaube, Frömmigkeit, Barmherzigkeit, Hoffnung, Liebe, Klugheit, Wachsamkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit dar. Bis auf die beiden Figuren, die die Wachsamkeit und die Weisheit darstellen, sind alle wettergeschwärzt. Diese beiden, von der Witterung noch unversehrten Figuren, wurden in der Bombennacht am 13. Februar 1945 zerstört und erst 1999 als Repliken an ihren alten Bestimmungsort aufgestellt. Hinter den Tugenden, auf den Ecken des Geschosses befinden sich unkanelierte Halbsäulen mit ionischem Kapitel, die auf jeder zweiten Seite des Oktogons als Stützen für einen leicht gesprengten Segmentgiebel dienen. Diese überspannen nicht nur die jeweiligen Seiten und die Aus- und Eingänge zum Aussichtsrundgang, sondern auch die für den Rathausturm so charakteristischen riesigen Uhren. Zudem verhalfen diese Uhren dem Rathausturm zu seinem, eher spöttischen, Beinamen „Die Eule“. Dieser ist gar nicht so verkehrt, denn wenn man zum Beispiel bei Nacht vom Bismarkturm auf der Räcknitzhöhe in Richtung Stadtzentrum schaut, könnte man durchaus den Eindruck von einer gigantischen Eule mit großen, leuchtenden Augen bekommen. Zuletzt soll nun die Turmhaube des Rathausturms beschrieben werden. Der Terminus, der diese Form einer Turmhaube am besten beschreibt, ist der der Glockenhaube [2]. Diese Glocke beherbergt unter dem Dachstuhl, innerhalb ihres „Wolms“, noch zwei Dachgeschosse. Getrennt sind diese beiden Dachgeschosse durch ein umlaufendes Gesims. Das untere Dachgeschoss wird auf den Seiten, unter denen sich die großen Uhren befinden, durch den beschriebenen Segmentgiebel unterbrochen. Zusätzlich sind beiden Dachgeschosse mit Tonnengauben, deren Fensteröffnungen elliptisch sind, durchfenstert. Auf der „Haupe“, der Glockenhaube, befindet sich der berühmte goldene Rathausmann Richard Guhrs, der diesen aus goldenem Kupferblech fertigte. Die Statue zeigt eine im Contrapost stehenden muskulösen, männlichen Akt, der mit seinem entspannten Arm ein mit der Öffnung zum Boden hingewandtes Füllhorn hält und mit dem angespannten Arm einen zeigenden, fast segnenden Gestus vollführt. Der volle Bart und das wellige Haar des Rathausmannes geben ein starres aber gezielt schauendes Gesicht frei, dessen Haupt eine Krone ziert. Die kunst- und architekturhistorische Einordnung wird in manchen Quellen als Übergangsstil beschrieben. Dies wird klar wenn man die verschiedensten baudekorativen Formelemente wie Säulen, Giebel und die Dachform betrachtet. Diese finden ihre Vorbilder klar in der römischen Antike und in der Stilistik des ausgehenden Barock. Soweit die Beschreibung des Bauwerks.

Den „Eingang in die Höhe“ findet man, wenn man die Kreuzstraße in Richtung Altmarkt einbiegt und rechterhand durch das erste rundbogige Portal in den dritten der sechs Lichthöfe des Rathauses gelangt. Nach wenigen Schritten erreicht man auch schon den Aufzug – Zeit genug den ersten Blick am wettergeschwärzten Sandstein hinauf zu wagen. Nach kurzem Warten öffnet sich die Aufzugstür und man gelangt zunächst in den siebten Stock des Turms. Dort erwartet einen das Turmpersonal, welches die Tickets zum Aussichtsrundgang für den kleinen Unkostenaufwand zwischen 1,70€ und 3,00€ bereithält. Danach gelangt man über eine kleine Treppe zum zweiten Aufzug, der einen nun in eine Höhe von 68m hinauffährt. Oben angekommen eröffnet sich ein atemberaubender Blick über das gesamte Elbtal – bei gutem Wetter kann man sogar die Festung Königstein im Elbsandsteingebirge und auf der anderen Seite die Spitzen der Meissner Domtürme erkennen. Und selbst die wuselnde und geschäftige „Elbmetropole“ direkt unter dem Turm bietet von oben einen visuellen Rundflug über ihre Dächer. Ein besonderes Highlight ist es, den Rathausturm während der Adventssonntage zu erklimmen, da man so einen noch eindrucksvolleren Blick über das nächtliche Dresden erhält.

Öffnungszeiten: 20. März bis 31. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr (letzter Einlass 17.30 Uhr)

Lageplan:

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[1] Löffler, Fritz: „Das Alte Dresden – Geschichte seiner Bauten“, 16. Auflage, Leipzig 1981.

[2] Koch, Wilfried: „Baustilkunde“; München 2006.

Thema: Wissenswertes, Über den Dächern - Dresden, Stadt der Türme | Kommentare (0) | Autor: Andreas Gosch