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Tanzen im Transit. – „Jeff Wall. Transit“

Mittwoch, 12. Mai 2010 10:14

Die JUNGEN FREUNDE der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden & Altes Wettbüro präsentieren die Party zur Ausstellung „Jeff Wall. Transit“ am 24. Juni 2010 im Lipsiusbau auf der Brühlschen Terrasse

Kunst genießen und Feste feiern – Die JUNGEN FREUNDE der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Alte Wettbüro machen es möglich. Nach „Madonna Meets Mao“ und „Tanzen unter Göttern“ ist der diesjährige Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe der JUNGEN FREUNDE die Party in der Ausstellung „Jeff Wall. Transit“. In der bewährten Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, laden bis Mitternacht sogen. Life-Speaker ein, die Arbeiten des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall zu erkunden. Walls Großbilddias hinter Leuchtkästen wirken auf den ersten Blick wie Leuchtreklame in Schaufenstern, entwickeln aber bei genauerem Hinsehen faszinierende Geschichten voller Umbrüche und Wandlungen. Realität und Fiktion gehen dabei nahtlos ineinander über.

Ganz im Zeichen von „Transit“ wird getanzt. DJ Steffen Bennemann legt im Untergeschoss der Kunsthalle auf und setzt mit seiner Mischung aus House und Dub sehr emotionale Akzente. Bennemann ist einer der Väter des Festivals Nachtdigital und legt in Clubs wie Leipzigs „Distillery“ und Jenas „Kassablanca“ auf: Nicht einfach so, sondern mit einem besonderen Gespür für den Fluss der Musik. Er pickt Platten mit Esprit heraus, oft bittersüß und mit Widerhaken. Die Übergänge sind sanft und ehrfürchtig zugleich, was sein Set zu einer echten Erfahrung macht – mit Bewusstseinserweiterung ohne Nebenwirkungen. Die Geschichten, die er mit seinen Beats und Melodien erzählt, setzen die bei Jeff Wall begonnene Reise fort.

Die Jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bieten den direkten Draht zur Kunst: Mit einem abwechslungsreichen Programm – von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst – für alle die Spaß daran haben, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, neue Kontakte zu knüpfen und die Kunstszene zu entdecken. Für 24,- € im Jahr treffen sich die JUNGEN FREUNDE immer am letzten Mittwoch im Monat zum Jour Fixe und schauen hinter die Kulissen der Museen, besuchen Galerien, kommen mit Künstlern ins Gespräch und feiern zusammen.

Was:      TANZEN! Die Party zur Ausstellung „Jeff Wall. Transit“

Wer:      Steffen Bennemann (Leipzig/D)

Life-Speaker in der Ausstellung

Wann:     24.6.2010, 20.30 Uhr

Wo:       Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse

Wie viel: freier Eintritt JUNGE FREUNDE (Infos: besucherservice@skd.museum)

Gäste: 5 EUR (Vorverkauf: Art & Info Shop im Residenzschloss, Sax-Ticket und Konzertkasse Dresden)


Eine Veranstaltung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit den Freunden der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. und dem Alten Wettbüro. Alle Informationen zu Mitgliedschaft und aktuellem Programm: www.freunde-skd.de.

Thema: Ausstellungen, Die jungen Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Veranstaltungstipps | Kommentare (0) | Autor:

Das Palmenhaus im Pillnitzer Schlosspark

Sonntag, 28. Juni 2009 20:51

Palmenhaus_Pillnitz

„Eine richtige Premiere. Und es funktioniert!“ verkündet ein Mann, der bis zur Hüfte in einem Becken mit Wasser steht. Er ist Brunnenbauer und hat gerade das Wasserspiel in dem königlichen Palmenhaus von Schloss Pillnitz bei Dresden in Gang gesetzt. So hörte sich der Abschluss letzter Arbeiten an dem ovalen Brunnen mit Fontäne an, der zentral in dem achteckigen Mittelbau des Gebäudes liegt. 1859 ließ der sächsische König das repräsentative Pflanzenschauhaus bauen. Die Konstruktion aus Gusseisen und Glas, die in Deutschland einzigartig ist, wurde nun restauriert und wird in diesen Tagen wieder zur Besichtigung frei gegeben. Bis 1990 ist mehr als dreißig Jahre nichts an dem Gebäude gemacht worden. Der Kunsthistoriker Fritz Löffler, dem Dresden viel zu verdanken hat, schlug in einem Brief an die SED-Führung sogar vor, das Palmenhaus an Westberlin zu verschenken, anstatt es verfallen zu lassen. Der Bau ist von dem Londoner Crystal Palace inspiriert, der viele Jahrzehnte Sinnbild für britische Innovation war. Joseph Paxton, ein angesehener Gartenarchitekt und spezialisiert auf Gewächshäuser, entwarf den Kristallpalast. Errichtet für die erste Weltausstellung 1851, wurde das Gebäude danach demontiert und in dem Stadtteil Syndenham wieder aufgebaut. 1936 fiel der Bau einem Großbrand vollständig zum Opfer. [Bild]

In der Schlossanlage Pillnitz steht mit dem Palmenhaus der einzige noch erhaltene Vertreter dieser Konstruktionsweise in Deutschland. Dreißig Jahre gehen an einem Bauwerk aus vergleichsweise empfindlichen Baustoffen wie Gusseisen, Holz und Glas nicht spurlos vorbei. „Die äußeren Stützen, die gleichzeitig Regenrohre waren, mussten fast komplett neu gegossen und ausgetauscht werden. Der Frost hatte in den vielen Wintern das Material stark angegriffen“, sagt Roland Puppe, Bereichsleiter Garten der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen. Das Gebäude entstand in der Regierungszeit von König Johann I. von Sachsen. Ab 1858 ließ er alte Gewächshäuser teilweise um- und neu bauen. Der König interessierte sich jedoch mehr für Literatur und Philosophie als für Botanik. „Wahrscheinlich hat König Johann das Palmenhaus in Andenken an seinen verunglückten Bruder, Friedrich August II., bauen lassen“, so Puppe. Friedrich August II. war leidenschaftlicher Botaniker und hatte die Pillnitzer Pflanzenbestände umfassend erweitert. Der historische Bepflanzungsplan des weitläufigen Schlossparks gilt seit langem als verschollen. Die verantwortlichen Gärtner mussten sich bei der Rekonstruktion der historischen Pflanzenanordnung an alte Fotografien und schriftliche Überlieferungen halten. In dem  Palmenhaus, das in Südflügel, Mittelhalle und Nordflügel gegliedert ist, gedeihen hauptsächlich so genannte Holländer und Neuholländer. Das sind Gewächse aus den ehemaligen niederländischen Kolonien in Südafrika Australien.  Die achteckige Mittelhalle ist eines der Warmhäuser und zeigt seltene Palmenarten und prachtvoll blühende Pflanzen, wie die Paradiesvogelblume, deren leuchtend gelbe Blüte einen Akzent setzt. Das Oktogon vereint sowohl die botanischen, als auch die architektonischen Highlights in sich. Die Gestaltung des Innenraums ist teilweise von viktorianischen Rundungen inspiriert, während andere Details und der klare äußere Aufbau an die Industrialisierung erinnern. So haben die Auflageflächen für Hängepflanzen die Form eines Rades dessen Speichen verspielt geschwungen sind. Im 19. Jahrhunderts wurde mit der künstlich geschaffenen Idylle eine Beschaulichkeit und Sicherheit vermittelt, die in Krisenzeiten Ruhe und Geborgenheit suggerierte. Großbritannien entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Wohlfühlinsel, auf der sich adlige und wohlhabende Gesellschaften regelmäßig in die heimischen Tropenhäuser zurückzogen, um sich der traditionellen Tea-time zu widmen.

Palmenhaus_Pillnitz2Bevor in Pillnitz der endgültige Entschluss gefasst wurde das Palmenhaus für die ursprüngliche Nutzung wieder herzurichten, erwog man auch die Einrichtung eines Café- oder besser Teehauses. „Der Vorschlag entpuppte sich schnell als nicht praktikabel. Im Winter muss man allein für die Pflanzen heizen bis das Kondenswasser von der Decke tropft und im Sommer würde man die Sonne kaum aushalten“, sagt Roland Puppe, der seit Anfang der neunziger Jahre mit dem  Palmenhausprojekt beschäftigt ist. Letztlich wurde entschieden das Palmenhaus wieder als botanisches Schauhaus einzurichten und ehemalige Wirtschaftsräume so umzugestalten, dass wechselnde Ausstellungen eingerichtet werden können.

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Weitere Infos unter:

www.schloesser-dresden.de

Bild vom Londoner Crystal Palace entnommen von:  www.prometheus-bildarchiv.de

Thema: Interviews und Veranstaltungen, Reportagen, Wissenswertes | Kommentare (0) | Autor:

„In Deutschland wird ja nicht so viel geredet…“ – Interview mit Jan Brokof

Dienstag, 2. Dezember 2008 14:56

Das sagt zumindest Jan Brokof, mit dem sich k-dd.de über seine Arbeit und das Wirken der heutigen Kunstgeschichte unterhalten hat.

Nach dem Studium an der HfBK in Dresden und dem Abschluss bei Prof. Ralf Kerbach arbeitet Jan Brokof heute in Dresden und Berlin. Zu den bevorzugten künstlerischen Techniken des Grafikers gehören die Bleistiftzeichnung, die Radierung, das Tuschen und vor allem der Holzschnitt.

Wie sah Deine Entwicklung zu einem Künstler aus?

Irgendwie wollte man in der Schule schon immer anders sein, als die anderen. Weil man auch cool sein wollte, hat man das dann auch durchgezogen. Ich habe in der zehnten Klasse gesagt ich werde Künstler.  Eigentlich hat man gar nicht gewusst worauf man sich einlässt. Richtig gebrannt für diese Sache habe ich dann während des Studiums.

Wie schafft der Künstler seine Werke? Gibt es bestimmte Faktoren, die dich zu einem Bild treiben?

Auslöser kann alles sein. Für mich und für viele andere sind emotionale Auslöser sehr wichtig. Das kann eine Straßenszene oder eine Ausstellung sein. Man ist ja permanent Künstler. Das ist nicht wie ein Job bei dem man hingeht und sich zu Hause etwas ganz anderem widmen kann. Du stehst auf und bist Künstler und gehst ins Bett und bist Künstler.

Jeder hat seine Strategie. Ich zum Beispiel habe immer eine Kamera dabei. Mit der wird alles festgehalten wird, was ich sehe und wie ich es sehe. Im Moment sind viele Straßenszenen dabei. Man fokussiert sich vorher schon sehr stark auf einen Gegenstand. Lauf mal durch die Stadt und achte auf Totenköpfe. Du wirst staunen, wie viel Totenköpfe du auf einmal siehst: auf Poster, T-Shirts, Autos. Das ist der Hammer, was man alles in seiner Wahrnehmung filtern kann. Dahinter steht für mich die Frage: Was bedingt eigentlich was? Im Atelier ist es das eigene Arbeiten, das mich permanent weiterbringt. Dass man sozusagen in seiner eigenen Kunst forscht oder irgendwelche anderen Auslöser findet, die dann wieder neue Wege eröffnen.

Dass man nicht von anderen Künstlern zitiert, was ja eigentlich viele machen, wenn sie sich ein Vorbild nehmen?

Ich habe den Eindruck in dem Fall gibt es zwei große Wege: Die Einen wollen sich in einer eigenständigen Position, die wieder erkennbar ist, etablieren. Die Anderen gehören in einen großen Pool. Da spielt dann noch ein gewisser Zeitgeist rein, der zu immer mehr Häufungen von Stilen in einer Zeit führt und schon geführt hat. Heute gibt es scheinbar zu viele Zeitgeister nebeneinander, die sofort zum Trend ausgerufen werden, während eigentlich nichts mehr Zeit hat sich zu entwickeln. Beispiel: Das Ornamentale ist im Moment in vielen künstlerischen Positionen vorhanden, aber in ganz verschiedenen Ausrichtungen. Ich fände es wahnsinnig toll, wenn so was nicht als Kritikpunkt, sondern als neue Stärke angesehen würde.

Mir geht es einfach darum, dass Kunst nichts Einsames und Elitäres ist. Mit dieser Einsicht kommt man wohl am schnellsten vorwärts. Mir persönlich ist es oft passiert, dass ich gedacht habe: Oh, das kommt zu dicht an den und den ran. Dann arbeitet man permanent – nur damit es nicht mehr so aussieht. Irgendwann kommt man jedoch an den Punkt, wo man sagt: Das ist doch totaler Bullshit. Zieh doch einfach dein Ding durch und verschwende deine Energie nicht an solche Gedanken. Damit fährt man meiner Meinung nach irgendwie besser.

Wie sieht die Arbeit in deinem Atelier schließlich aus?

Ich habe verschiedene Strategien. Am produktivsten ist es, wenn ich die Zeit und Kraft finde, wirklich alles gleichzeitig zu machen. Das geht von Grafik über Tusche, Kleinstbastelarbeiten, Wandcollagen, Holzschnitt, Farbpapier, Scherenschnitte und so weiter. Wenn man bei keiner Sache einen Zeitdruck hat, dann befruchten sich die verschiedenen Arbeiten gegenseitig. Die Vorbereitungen von größeren Arbeiten sind aber sehr kopflastig. Gerade die technischen Dinge: Wie steht’s am Besten, wie fällt’s nicht um, wie müssen die Materialen sein – all das Banale ist viel Vorarbeit. Gerade ist es so, dass ein größeres Projekt im Kopf entsteht und das geht dann doch meistens ziemlich zügig, weil es wirklich lange vorgedacht ist und mit allem möglichen angereichert wird. Das wird eine Straßenszene sein, die im Januar hier zu sehen ist – zumindest ein Teil davon. Im Moment entstehen kleine Skizzen, Zeichnungen, was zwar auch eigenständige Werke sind, aber für die große Arbeit dann umso wichtiger sind.

Ansonsten bin ich eher ein Tagarbeiter. Es gibt ja die Theorie, dass man tagsüber mehr mit dem Verstand und nachts mehr mit Emotionen arbeitet. Dann bin ich ein „Tagarbeiter”, weil Nachtaktionen tatsächlich meist sehr exzessiv enden. Deshalb leiste ich mir die eher seltener. Meine Art zu arbeiten würde ich als abarbeiten beschreiben. Eine Idee ist schnell gefunden und dieser kreative Moment viel zu schnell vorbei. Der muss bei mir sofort umgesetzt werden. Wenn ich zum Beispiel eine Zeichnung habe, dann setze ich gleich eine Form für den Druck. Wenn die dann schraffiert werden soll, muss ich das auch sofort machen. Die Tat an sich ist für mich sehr wichtig, obwohl man dabei oft nicht mehr viel nachdenkt, weil im Grunde keine kreative Handlung mehr dahinter steht.

Kunsthistoriker definieren einen Künstler ja gerne über solche Aspekte. Wie und worüber würdest du dich selbst definieren?

Ich denke über das Machen, denn das ist die meiste Zeit, in der ich was mit meiner Kunst zu tun habe. Das ganze drum herum: Künstler in der Öffentlichkeit, Kunstmarkt und so ist ein notwendiges Übel. Es geht ja auch nicht ohne und ich finde einige Sachen auch ganz spannend, aber dass ich mich selbst darüber definieren würde, kann ich für mich ausschließen.

Wie gehst du als junger Künstler dann mit Ehrungen und Preisen um? Wird ein Künstler stark an dieses Fakten gemessen?

Die sichern natürlich erstmal eine Existenzgrundlage. Das Beste daran ist, dass man mit dem Preisgeld ein halbes Jahr, ohne sich einen Kopf zu machen, arbeiten kann. Dann ist es mit den Preisen ja auch immer so eine Sache: Wenn die kein Risiko eingehen wollen, dann bekommt der einen Preis, der schon mal einen bekommen hat. Da ist man auf der sicheren Seite. Viele Künstler hätten einen Preis verdient, die bisher nicht einen einzigen bekommen haben, die vielleicht keine Lobby haben oder keinen Fan, der das getragen hat. Diejenigen, die mit meinen Arbeiten handeln, fördern mich im Endeffekt ja auch. Ich versuche das immer ein bisschen außen vor zu lassen, denn das kann auch hemmend sein. Der Kunst tut es nicht gut, wenn man zu strategisch arbeitet. Das ist eine arge Gradwanderung. Im Atelier und im Geist ist man meist viel weiter, als das, was schließlich in einer Ausstellung hängt. Wenn ich jetzt alles zeigen würde, dann würde ich es dem Betrachter unglaublich schwer machen. Die paar Schritte dazwischen geht man schon mit dem Betrachter mit und nimmt ihn ein Stück an die Hand – langsam dorthin, wo man hin will.

Vielen Studenten ist beim Betrachten deiner Werke – vornehmlich durch das Internet – aufgefallen, dass du stark die soziale Wohnungsarchitektur in der DDR thematisierst. In vielen Artikel des Internets wird auch gesagt, dass es um eine heile Welt geht.

Echt?

Ja, zumindest bei denen, die man findet. Manche reden dabei sogar von einer Kritik. Wie siehst du das selber?

Wir haben ja vorhin schon von emotionalen Auslösern gesprochen. Ich komme aus solchen Orten und die haben mich schon sehr geprägt. Wenn man genauer hinschaut, dann sieht man, dass das auch nicht nur ostdeutsche Plattenbauten sind. Ich will das weder gutheißen noch schlecht machen, weil ich da auch gelebt habe. Das ist erstmal nichts positives, nichts Negatives. Was weiß diese Zeit von einer anderen? Besser hätte es Julia Schoch in einem Aufsatz nicht sagen können. Man weiß, dass es Realität ist und nimmt es als gegeben hin. Eigentlich waren diese Blockbauten immer da, aber erst wenn sie nach und nach verschwinden, wird man wieder auf sie aufmerksam. Dieser ganze Ostalgie-Kram interessiert mich weniger. Mich interessiert mehr der Ost-West-Konflikt. Ich bin im Grunde das typische Wendekind. Meine Pubertät war zu der Zeit und das ist das geschichtsträchtigste was ich erlebt habe. Das ist ein Ereignis, was über mich hinausstrahlt und mich somit nicht nur persönlich beschäftigt. Man hat den Osten nur wenig miterlebt und dann fängt man an über die vergangene Zeit zu lesen und eigentlich findet man nur Meinungen, die extrem auseinander gehen. Dadurch, dass man es selber nicht so stark miterlebt hat, ist das eine Freifläche, unbesetzt von Erfahrungen, die man wunderbar bearbeiten kann. Ich will dieses Feld nicht besetzt lassen von Meinungsmachern, die mir sagen was gut und was schlecht war. Für mich sind diese Bauten alles. Sie sind zwar gruselig, aber auf der anderen Seite habe ich dort auch tolle Dinge erlebt: das erste Mal knutschen zum Beispiel. Jeder hat ganz persönliche Erlebnisse, die im Endeffekt jeden Ort schön werden lassen. Kann man mit eigenen Erinnerungen überhaupt objektiv sein? Sind die nicht von vornherein geschönt? Vielleicht arbeite ich deshalb mit Echtmaßstäben, um dadurch eine Objektivität zu vermitteln und etwas Privates objektiv zu bearbeiten.

Ist das vielleicht auch ein Dogma der Kunstkritik, dass die immer versucht eine Kritik an irgendwelchen Systemen und sozialen Umständen zu finden, anstatt zu prüfen, ob das nicht eher eine Art Erinnerung ist, die hier technisch festgehalten wurde?

Man muss es als Künstler schaffen, sich von allen Themen frei zu kämpfen. Dass es keine Rolle mehr spielt was du malst. Beispiel: Du zeichnest das Haus, mit den Fenstern und den Gardinen – und wenn du daneben ein Viereck mit kleinen Vierecken drin zeichnest, dann wird es jeder auch als Haus erkennen, obwohl es eigentlich ein abstraktes Bild ist. Und das sind Punkte, die vor allem formal sehr spannend für mich sind: Wie weit kann man abstrahieren, dass immer noch Inhalt vorhanden ist? Muss ich die Leute mit mehr Inhalt füttern, damit sie das andere noch lesen können? Würden sie das überhaupt erkennen, wenn ich nicht den Bezug zu den realistischen Arbeiten aufstellen würde? Dann würden sie das vielleicht aus einem anderen Kontext heraus lesen. Oder: Schafft man es einen dreidimensionalen Raum zweidimensional darzustellen – reliefartig, damit man auf einer Blickachse arbeitet. Da geht es weniger um den Inhalt, sondern mehr um das Bild an sich. Wobei für mich das Bildereignis wohl auch beliebig werden würde, wenn ich mich nur noch damit beschäftigte.

Du hast kurz die Reaktionen der Leute auf deine Kunst angesprochen. Wie wichtig sind die dir? Gehst du auf deine eigenen Ausstellungen und versuchst mitzuhören, was die einzelnen Leute über deine Arbeiten sagen?

In Deutschland wird ja nicht so viel geredet (lacht). Ich war jetzt in den Niederlanden. Dort war es zum Beispiel ganz anders: da wird viel mehr unter den Künstlern über die Arbeiten geredet, was ich ganz klasse finde. Man spricht mit seinem Gegenüber ja immer darüber, worüber er gerade reden will. Also eher über den Inhalt oder die Formalien. Das ist immer unterschiedlich. Ist ja sein gutes Recht, wenn er da hinkommt und sich das ansieht. Ich weiß ja selber, dass ich mich da auf einer Gradwanderung befinde, aber das sind sowieso die Positionen, die ich besonders spannend finde: kurz vorm Kitsch, sodass es sich die Waage kaum mehr halten kann und kurz vorm abkippen steht. Das sind Positionen, die ich als sehr lustvoll empfinde.

Welche Bedeutung misst du dem Schwarz-Weiß in deinen Arbeiten bei?

Gute Frage: Schwarz-Weiß hat was sehr konsequentes… Ja oder nein quasi. Warum mach ich eigentlich schwarz-weiß?

Vielleicht auch wegen des normalen Rhythmus’ des Hochdrucks, der traditionell Schwarz-Weiß druckt?

Das sind auch Gründe, vor allem weil die Technik so viele Seiten hat, die von mir noch nicht ausgereizt sind. Farbe im malerischen Sinne interessiert mich einfach nicht. Zumindest will  ich nicht das Lichtereignis fangen. Würde ich mit Farben arbeiten, dann würden die signalhaft, vielleicht auch über Flächen verwendet werden.

Irgendwie habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Vielleicht sind so viele sozial-kritische Arbeiten farbig, weil schwarz-weiß objektiver wirkt und dich nicht in eine emotionale Richtung schiebt. Ja, vielleicht ist die Grafik eher geistig und die Malerei mehr emotional. Vielleicht ist es eher so was. Also so ganz stimmt das auch noch nicht. Das ist alles sehr schwammig….

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Denkmal und Stadt. Bewahren – Vermitteln – Entwickeln. Fünf Jahre Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Donnerstag, 30. Oktober 2008 15:35

An der TU Dresden ist vor fünf Jahren der Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung eingerichtet worden. Er macht die Absolventen unterschiedlicher Fachrichtungen in einem Aufbaustudiengang mit der komplexen Wechselwirkung von Denkmalpflege und Stadtentwicklung vertraut. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels lernen die Studierenden vielfältige Entwicklungsperspektiven der Stadt kennen. Gleichzeitig bereiten wir sie auf ein breites Spektrum beruflicher Wirkungsmöglichkeiten vor.

Wir nehmen das fünfjährige Bestehen des Studiengangs zum Anlass für eine Festveranstaltung, die auf diese Schwerpunktsetzungen in Vorträgen und Gesprächen Bezug nimmt und Interessenten sowie Freunden und Förderern Gelegenheit gibt, unsere Absolventen und deren beruflichen Werdegang näher kennen zu lernen.

Wir würden uns außerordentlich freuen, wenn Sie Zeit und Interesse hätten, an unserer Veranstaltung teilzunehmen und freuen uns auf Ihre Rückmeldung.

Festveranstaltung

Termin: Freitag, 28. November 2008

Ort: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Schlossplatz 1, 01067 Dresden

Beginn: 11:00 Uhr

Programm:

Begrüßung

Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst (angefragt)

Prof. Dr.-Ing. Rosemarie Pohlack
Sächsische Landeskonservatorin

Prof. Hermann Kokenge
Rektor der TU Dresden

Prof. Dr. Dr.-Ing. E.h. Gottfried Kiesow
Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Einführung

Dr. Ingrid Scheurmann und Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer

Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung / Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung und Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau

Vorträge

Prof. Dr. Dr. hc. Hans Joachim Meyer, Berlin

Sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst a.D.
“Braucht die Moderne keine Vergangenheit?”

— Imbiss  (ca. 13 Uhr) —

Prof. Dr. Werner Sewing, Berlin / Karlsruhe

“Mythos als Leitbild: Die europäische Stadt”

Studium und Studierende

Dr. Susanne Jaeger und Dr. Lars Scharnholz

Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung

M.Sc. Dominique Fliegler M.A.

Dipl.-Ing. Jasmin Castro-Frenzl M.Sc.

Dipl.-Ing. Gregor Herberholz M.Sc.

Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Empfang und zur Besichtigung der Ausstellung Denkmal und Stadt. Bewahren – Vermitteln – Entwickeln.

Um Antwort wird gebeten bis zum 20. November 2008!

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Kontakt: Masterstudiengang Denkmalpflege und Stadtentwicklung

Sekretariat: Frau Peggy Torau / Email: peggy.torau@tu-dresden.de / Telefon: 0351-463 39500

Technische Universität Dresden / Professur für Denkmalkunde und angewandte Bauforschung / 01062 Dresden

www.masterstudiengang-denkmalpflege.de

Infobroschüre zum Studiengang (.pdf)

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