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OSTRALE`010 Rites of Passage Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste 27.8. – 19.9. 2010 Dresden

Dienstag, 20. April 2010 12:15

Die OSTRALE´010 präsentiert in den maroden Strukturen des ehemaligen Erlwein Schlachthofes im Ostragehege in Dresden zum vierten Mal das gesamte Spektrum der gegenwärtigen Kunstschaffenden und hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Kunstfestivals in Deutschland und Europa entwickelt. Zum diesjährigen Festival werden insbesondere Künstler eingeladen, die sich mit den noch vor Ort belassenen Altmaterialien auseinandersetzen und sie im transformatorischen Sinne künstlerischer Rites of Passage zu neuer Ordnung zusammenfügen. Mehr als 200 Künstler aus Malerei, Bildhauerei, Plastik, Klang-, Licht-, Video-, Konzept-, Installations-, Aktions- und Performancekunst präsentieren auf 15.000 m² Ausstellungsfläche und 50.000 m² Außenfläche internationale und europäische, junge und etablierte Kunst. Die bisher realisierten Ausstellungen 2007, 2008 und 2009 demonstrieren auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung des Ausstellungsareals und des Kunst-Zentrums der OSTRALE. Ebenso verdeutlicht der Besucherzuspruch die Bedeutung und wachsende Wahrnehmung des außergewöhnlichen Projektes. Waren es 2007 noch 4.000 Besucher, so fanden 2009 bereits 11.000 Besucher den Weg zur OSTRALE und ihren Ausstellungen und Veranstaltungen.

OSTRALE 2010

Rites of Passage

Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste

27.8. – 19.9. 2010 Dresden

Kontakt

OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Messering 8 // 01067 dresden // +49 (0) 351 – 653 37 63

www.ostrale-zentrum.de // post@ostrale-zentrum.de

© OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst

Thema: Ostrale 2010, Veranstaltungstipps, Wissenswertes | Kommentare (1) | Autor:

OSTRALE 2009 – Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste Dresden

Donnerstag, 9. Juli 2009 14:05

OSTRALE2009Ostrale 2009 – Internationale Ausstellung zeitgenössischer Künste Dresden

Die OSTRALE’09 verwandelt das Dresdner Ostragehege nun schon zum dritten Mal in ein einzigartiges Schaufenster des aktuellen Kunstgeschehens. Maler, Video-, Klang-, Licht-, Konzept- und Installationskünstler, Bildhauer, Plastiker – aber auch Musiker, Tänzer, Schauspieler und Autoren: In den maroden Strukturen des ehemaligen Erlwein-Schlachthofes und im Außenbereich werden Werke von ca. 140 Vertretern der Bildenden Kunst präsentiert. Dazu kommt im Rahmen der OSTRALE.xtra eine Vielzahl an Performances, Konzerten, Lesungen und anderem mehr…

Für die OSTRALE’09 stehen acht Gebäude mit insgesamt über 100 Ausstellungsräumen zur Verfügung. Das Gelände vereint rund 20.000 Quadratmeter bespielbarer Fläche in Innenräumen und ein Außenareal von ca. 50.000 Quadratmetern.

NEUES & BEWÄHRTES
Die dritte Ausgabe der  OSTRALE wartet  mit  einer  Reihe an Neuerungen auf.  Auch wenn die Zahl  der teilnehmenden Künstler in diesem Jahr etwas kleiner ist als 2008: Die OSTRALE bleibt eine der größten Ausstellungen zeitgenössischer Künste.  Rund 140 Künstler aus dem  In- und Ausland werden mit einem oder mehreren Werken vertreten sein.

KURATORENTEAM
Erstmals  wurde   die   inhaltliche   Zusammenstellung   teilweise   in   externe  Hände   gelegt   -   die   Jury   als Auswahlgremium bestand diesmal aus der künstlerischen Leiterin der OSTRALE, Andrea Hilger, den zwei Berliner Kuratoren Lukas Feireiss und Dr. Martin Müller sowie dem Dresdner Kuratorenteam Katja Albers und Torsten Birne. Damit hat sich auch das Auswahlverfahren der Teilnehmer geändert: Ganz im Sinne der OSTRALE-Ausrichtung gab es  einerseits  wieder  das  offene  Bewerbungsverfahren,  an welchem sich  in diesem Jahr rund 400 Künstler beteiligt  haben  -  rund 130 mehr als  im vergangenen Jahr.  Aus diesen Bewerbern wurden ca. 70 zur  OSTRALE’09 eingeladen.
Andererseits wurden unabhängig vom Bewerbungsverfahren fast ebenso viele Künstler von den Kuratoren zur Ausstellung eingeladen.

KUNSTSPEKTRUM
Das Portal zur OSTRALE’09 wird der Tempel von Matthias Korntheuer auf  dem Trümmerberg sein – ein Bauwerk,  das ausschließlich aus Europaletten und Holz entsteht.  Es  ist  „den Erbauern“  (des Tempels) gewidmet und gleichzeitig ein Symbol für all die Helfer, die mit ihrem Einsatz eine derartige Ausstellung ermöglichen. In den Ausstellungsräumen  trifft man auf     Installationen,  Malerei,  Fotografie,  Videokunst,  Zeichnungen, Klangkunst   und   Skulpturen,   die   das   breite   Spektrum   der   zeitgenössischen   Kunst   widerspiegeln. Exemplarisch dafür stehen Künstler wie „IntoLight“ – der YourSpaceGenerator von den  jungen Dresdner Interaktions-Designern Marko Ritter und Conrad Schneider (gefördert von der Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden), Ralph Cüpper (F) mit „Someone loves you“, Matias Bechtold (D) mit „City“ und Dadara (David Rozenberg, NL). Die  Malerei   repräsentieren   u.a.  Künstler  wie  Sabine  Geierhos,  Ulrike  Panhorst   und   Tanja  Moosblech (Belgien), David Manley (UK), Any Janssen (NL) und Katja Davar (D). Stellvertretend für die Fotokunst stehen Denis Darzaq (F) und Filip Dujardin (Belgien). Videokunst   ist  unter anderem zu sehen von:  Benjamin Fleig  (NL),  Niklas Goldbach  (D),  Caspar Stracke (USA) oder Hannes Böck (A).Die   raumübergreifende   Installation   „Parascapes“   der  Künstlergruppe   SPARK  (D)   diffundiert   zwischen außen und innen: sie wird sowohl innerhalb als auch außerhalb des Schafstalls zu sehen sein. Exemplarisch für die StreetArt stehen Künstler wie Evol, der mit seinen Werken vom Stadtgebiet bis in die Ausstellung hinein präsent ist, oder der zweiköpfige Wurm von dem Dresdner Jens Besser, in den sich die Brücke über den Flutgraben verwandelt. Weithin sichtbar sein wird großflächige Malerei auf dem Dach des “Schweinedoms”,   geschaffen   von   dem  italienischen  Künstler  BLU.  Er  war   beim  diesjährigen   Filmfest Dresden der Gewinner des Goldenen Reiters in der Kategorie Animationsfilm.

TERMINLICHES
Auch terminlich gibt es Neuigkeiten bei der OSTRALE: Sie startet mit dem Dresdner Stadtfest und dauert im Gegensatz zu 10 Tagen im vergangenen Jahr nun über 3 Wochen – vom 14. August bis zum 6. September. Die Öffnungszeiten passen sich der deutlich längeren Ausstellungsdauer an: Montags wird die Ausstellung geschlossen sein, an den eher ruhigen Tagen Dienstag bis Donnerstag sind die Tore zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet. An den Freitagen und Wochenenden gibt es dann extra viel Zeit für Kunst- und sonstige Genüsse: Freitags und samstags öffnet die OSTRALE von 14 bis 22 Uhr, Sonntags von 11 bis 20 Uhr.

UMFANGREICHES VERANSTALTUNGSPROGRAMM
Die   OSTRALE’09   verbindet   ein   klassisches   Ausstellungsformat   mit   einem   gattungsübergreifenden Veranstaltungsprogramm.  Alle performativen Elemente der Ausstellung werden dabei   im Vergleich zum letzten Jahr schärfer gebündelt und zeitlich auf  die Wochenenden konzentriert.  Unter dem neuen Label “OSTRALE.xtra”   findet  man die Darbietungen der Bereiche Performance,  Tanz,  Theater,  Live-Literatur, Film und Musik. Sie werden als solche auch gesondert kommuniziert werden, dazu wird es einen eigenen Programmflyer und eine detaillierte Übersicht auf der Webseite geben.
Ein “Klassiker” aus dem vergangenen Jahr wird wieder neu aufgelegt – die familientauglichen Frühstücks-Salons an den Sonntagen, bei denen entspannt gebruncht und dann zur Kunstbetrachtung übergegangen werden kann.  Neu  im Programm  ist die “Talk”Reihe der DonnerstaGGespräche,  bei  denen von Experten bestimmte Themen im Spannungsfeld von Kunst und Markt erörtert werden. In   Kooperation  mit   dem  Programmkino  Ost  werden   an  mehreren   Tagen   ausgewählte   Filme   gezeigt. Vertreten sind dabei  ganz unterschiedliche Genres: Spielfilm, Dokumentation, Kurz- und Animationsfilm. Damit finden erstmals  Veranstaltungen der OSTRALE auch außerhalb des Ostrageheges statt.

Öffnungszeiten:
Mo.  geschlossen
Di. – Do. 11 – 16 Uhr
Fr. / Sa.  14 – 22 Uhr
So.  11 – 20 Uhr

Eintrittspreise:
ab 5,- EUR

Adresse:
OSTRALE-Zentrum
Messering 8
01067 Dresden

Kontakt:
Mail: post@ostrale-zentrum.de
Tel.: 0351 – 653 37 63
Netz: www.ostrale-zentrum.de

OSTRALE /// Zentrum für zeitgenössische Kunst, Ostragehege Dresden
DIE Dresdner Location für Gegenwartskunst

Neben der jährlichen großen Ausstellung OSTRALE (2009 mit rund 140 Künstlern) gibt es hier mehr und mehr ARTige Aktivitäten übers ganze Jahr verteilt. Die OSTRALE.Salons entwickeln sich zum Treffpunkt der kreativen Szene Dresdens. Sie sind das aktuelle, genreübergreifende Schaufenster des Kunstgeschehens ALLER Sparten – der Bildenden Kunst ebenso wie der Darstellenden Kunst. Ateliers, Werkstätten, Gewerbe- und Präsentationsräume sind am Entstehen. Die Räumlichkeiten sind vielfältig, flexibel und weit verzweigt. Sie bieten alles – vom intimen Separee bis zur großen Halle. (Quelle: www.openpr.de)

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„In Deutschland wird ja nicht so viel geredet…“ – Interview mit Jan Brokof

Dienstag, 2. Dezember 2008 14:56

Das sagt zumindest Jan Brokof, mit dem sich k-dd.de über seine Arbeit und das Wirken der heutigen Kunstgeschichte unterhalten hat.

Nach dem Studium an der HfBK in Dresden und dem Abschluss bei Prof. Ralf Kerbach arbeitet Jan Brokof heute in Dresden und Berlin. Zu den bevorzugten künstlerischen Techniken des Grafikers gehören die Bleistiftzeichnung, die Radierung, das Tuschen und vor allem der Holzschnitt.

Wie sah Deine Entwicklung zu einem Künstler aus?

Irgendwie wollte man in der Schule schon immer anders sein, als die anderen. Weil man auch cool sein wollte, hat man das dann auch durchgezogen. Ich habe in der zehnten Klasse gesagt ich werde Künstler.  Eigentlich hat man gar nicht gewusst worauf man sich einlässt. Richtig gebrannt für diese Sache habe ich dann während des Studiums.

Wie schafft der Künstler seine Werke? Gibt es bestimmte Faktoren, die dich zu einem Bild treiben?

Auslöser kann alles sein. Für mich und für viele andere sind emotionale Auslöser sehr wichtig. Das kann eine Straßenszene oder eine Ausstellung sein. Man ist ja permanent Künstler. Das ist nicht wie ein Job bei dem man hingeht und sich zu Hause etwas ganz anderem widmen kann. Du stehst auf und bist Künstler und gehst ins Bett und bist Künstler.

Jeder hat seine Strategie. Ich zum Beispiel habe immer eine Kamera dabei. Mit der wird alles festgehalten wird, was ich sehe und wie ich es sehe. Im Moment sind viele Straßenszenen dabei. Man fokussiert sich vorher schon sehr stark auf einen Gegenstand. Lauf mal durch die Stadt und achte auf Totenköpfe. Du wirst staunen, wie viel Totenköpfe du auf einmal siehst: auf Poster, T-Shirts, Autos. Das ist der Hammer, was man alles in seiner Wahrnehmung filtern kann. Dahinter steht für mich die Frage: Was bedingt eigentlich was? Im Atelier ist es das eigene Arbeiten, das mich permanent weiterbringt. Dass man sozusagen in seiner eigenen Kunst forscht oder irgendwelche anderen Auslöser findet, die dann wieder neue Wege eröffnen.

Dass man nicht von anderen Künstlern zitiert, was ja eigentlich viele machen, wenn sie sich ein Vorbild nehmen?

Ich habe den Eindruck in dem Fall gibt es zwei große Wege: Die Einen wollen sich in einer eigenständigen Position, die wieder erkennbar ist, etablieren. Die Anderen gehören in einen großen Pool. Da spielt dann noch ein gewisser Zeitgeist rein, der zu immer mehr Häufungen von Stilen in einer Zeit führt und schon geführt hat. Heute gibt es scheinbar zu viele Zeitgeister nebeneinander, die sofort zum Trend ausgerufen werden, während eigentlich nichts mehr Zeit hat sich zu entwickeln. Beispiel: Das Ornamentale ist im Moment in vielen künstlerischen Positionen vorhanden, aber in ganz verschiedenen Ausrichtungen. Ich fände es wahnsinnig toll, wenn so was nicht als Kritikpunkt, sondern als neue Stärke angesehen würde.

Mir geht es einfach darum, dass Kunst nichts Einsames und Elitäres ist. Mit dieser Einsicht kommt man wohl am schnellsten vorwärts. Mir persönlich ist es oft passiert, dass ich gedacht habe: Oh, das kommt zu dicht an den und den ran. Dann arbeitet man permanent – nur damit es nicht mehr so aussieht. Irgendwann kommt man jedoch an den Punkt, wo man sagt: Das ist doch totaler Bullshit. Zieh doch einfach dein Ding durch und verschwende deine Energie nicht an solche Gedanken. Damit fährt man meiner Meinung nach irgendwie besser.

Wie sieht die Arbeit in deinem Atelier schließlich aus?

Ich habe verschiedene Strategien. Am produktivsten ist es, wenn ich die Zeit und Kraft finde, wirklich alles gleichzeitig zu machen. Das geht von Grafik über Tusche, Kleinstbastelarbeiten, Wandcollagen, Holzschnitt, Farbpapier, Scherenschnitte und so weiter. Wenn man bei keiner Sache einen Zeitdruck hat, dann befruchten sich die verschiedenen Arbeiten gegenseitig. Die Vorbereitungen von größeren Arbeiten sind aber sehr kopflastig. Gerade die technischen Dinge: Wie steht’s am Besten, wie fällt’s nicht um, wie müssen die Materialen sein – all das Banale ist viel Vorarbeit. Gerade ist es so, dass ein größeres Projekt im Kopf entsteht und das geht dann doch meistens ziemlich zügig, weil es wirklich lange vorgedacht ist und mit allem möglichen angereichert wird. Das wird eine Straßenszene sein, die im Januar hier zu sehen ist – zumindest ein Teil davon. Im Moment entstehen kleine Skizzen, Zeichnungen, was zwar auch eigenständige Werke sind, aber für die große Arbeit dann umso wichtiger sind.

Ansonsten bin ich eher ein Tagarbeiter. Es gibt ja die Theorie, dass man tagsüber mehr mit dem Verstand und nachts mehr mit Emotionen arbeitet. Dann bin ich ein „Tagarbeiter”, weil Nachtaktionen tatsächlich meist sehr exzessiv enden. Deshalb leiste ich mir die eher seltener. Meine Art zu arbeiten würde ich als abarbeiten beschreiben. Eine Idee ist schnell gefunden und dieser kreative Moment viel zu schnell vorbei. Der muss bei mir sofort umgesetzt werden. Wenn ich zum Beispiel eine Zeichnung habe, dann setze ich gleich eine Form für den Druck. Wenn die dann schraffiert werden soll, muss ich das auch sofort machen. Die Tat an sich ist für mich sehr wichtig, obwohl man dabei oft nicht mehr viel nachdenkt, weil im Grunde keine kreative Handlung mehr dahinter steht.

Kunsthistoriker definieren einen Künstler ja gerne über solche Aspekte. Wie und worüber würdest du dich selbst definieren?

Ich denke über das Machen, denn das ist die meiste Zeit, in der ich was mit meiner Kunst zu tun habe. Das ganze drum herum: Künstler in der Öffentlichkeit, Kunstmarkt und so ist ein notwendiges Übel. Es geht ja auch nicht ohne und ich finde einige Sachen auch ganz spannend, aber dass ich mich selbst darüber definieren würde, kann ich für mich ausschließen.

Wie gehst du als junger Künstler dann mit Ehrungen und Preisen um? Wird ein Künstler stark an dieses Fakten gemessen?

Die sichern natürlich erstmal eine Existenzgrundlage. Das Beste daran ist, dass man mit dem Preisgeld ein halbes Jahr, ohne sich einen Kopf zu machen, arbeiten kann. Dann ist es mit den Preisen ja auch immer so eine Sache: Wenn die kein Risiko eingehen wollen, dann bekommt der einen Preis, der schon mal einen bekommen hat. Da ist man auf der sicheren Seite. Viele Künstler hätten einen Preis verdient, die bisher nicht einen einzigen bekommen haben, die vielleicht keine Lobby haben oder keinen Fan, der das getragen hat. Diejenigen, die mit meinen Arbeiten handeln, fördern mich im Endeffekt ja auch. Ich versuche das immer ein bisschen außen vor zu lassen, denn das kann auch hemmend sein. Der Kunst tut es nicht gut, wenn man zu strategisch arbeitet. Das ist eine arge Gradwanderung. Im Atelier und im Geist ist man meist viel weiter, als das, was schließlich in einer Ausstellung hängt. Wenn ich jetzt alles zeigen würde, dann würde ich es dem Betrachter unglaublich schwer machen. Die paar Schritte dazwischen geht man schon mit dem Betrachter mit und nimmt ihn ein Stück an die Hand – langsam dorthin, wo man hin will.

Vielen Studenten ist beim Betrachten deiner Werke – vornehmlich durch das Internet – aufgefallen, dass du stark die soziale Wohnungsarchitektur in der DDR thematisierst. In vielen Artikel des Internets wird auch gesagt, dass es um eine heile Welt geht.

Echt?

Ja, zumindest bei denen, die man findet. Manche reden dabei sogar von einer Kritik. Wie siehst du das selber?

Wir haben ja vorhin schon von emotionalen Auslösern gesprochen. Ich komme aus solchen Orten und die haben mich schon sehr geprägt. Wenn man genauer hinschaut, dann sieht man, dass das auch nicht nur ostdeutsche Plattenbauten sind. Ich will das weder gutheißen noch schlecht machen, weil ich da auch gelebt habe. Das ist erstmal nichts positives, nichts Negatives. Was weiß diese Zeit von einer anderen? Besser hätte es Julia Schoch in einem Aufsatz nicht sagen können. Man weiß, dass es Realität ist und nimmt es als gegeben hin. Eigentlich waren diese Blockbauten immer da, aber erst wenn sie nach und nach verschwinden, wird man wieder auf sie aufmerksam. Dieser ganze Ostalgie-Kram interessiert mich weniger. Mich interessiert mehr der Ost-West-Konflikt. Ich bin im Grunde das typische Wendekind. Meine Pubertät war zu der Zeit und das ist das geschichtsträchtigste was ich erlebt habe. Das ist ein Ereignis, was über mich hinausstrahlt und mich somit nicht nur persönlich beschäftigt. Man hat den Osten nur wenig miterlebt und dann fängt man an über die vergangene Zeit zu lesen und eigentlich findet man nur Meinungen, die extrem auseinander gehen. Dadurch, dass man es selber nicht so stark miterlebt hat, ist das eine Freifläche, unbesetzt von Erfahrungen, die man wunderbar bearbeiten kann. Ich will dieses Feld nicht besetzt lassen von Meinungsmachern, die mir sagen was gut und was schlecht war. Für mich sind diese Bauten alles. Sie sind zwar gruselig, aber auf der anderen Seite habe ich dort auch tolle Dinge erlebt: das erste Mal knutschen zum Beispiel. Jeder hat ganz persönliche Erlebnisse, die im Endeffekt jeden Ort schön werden lassen. Kann man mit eigenen Erinnerungen überhaupt objektiv sein? Sind die nicht von vornherein geschönt? Vielleicht arbeite ich deshalb mit Echtmaßstäben, um dadurch eine Objektivität zu vermitteln und etwas Privates objektiv zu bearbeiten.

Ist das vielleicht auch ein Dogma der Kunstkritik, dass die immer versucht eine Kritik an irgendwelchen Systemen und sozialen Umständen zu finden, anstatt zu prüfen, ob das nicht eher eine Art Erinnerung ist, die hier technisch festgehalten wurde?

Man muss es als Künstler schaffen, sich von allen Themen frei zu kämpfen. Dass es keine Rolle mehr spielt was du malst. Beispiel: Du zeichnest das Haus, mit den Fenstern und den Gardinen – und wenn du daneben ein Viereck mit kleinen Vierecken drin zeichnest, dann wird es jeder auch als Haus erkennen, obwohl es eigentlich ein abstraktes Bild ist. Und das sind Punkte, die vor allem formal sehr spannend für mich sind: Wie weit kann man abstrahieren, dass immer noch Inhalt vorhanden ist? Muss ich die Leute mit mehr Inhalt füttern, damit sie das andere noch lesen können? Würden sie das überhaupt erkennen, wenn ich nicht den Bezug zu den realistischen Arbeiten aufstellen würde? Dann würden sie das vielleicht aus einem anderen Kontext heraus lesen. Oder: Schafft man es einen dreidimensionalen Raum zweidimensional darzustellen – reliefartig, damit man auf einer Blickachse arbeitet. Da geht es weniger um den Inhalt, sondern mehr um das Bild an sich. Wobei für mich das Bildereignis wohl auch beliebig werden würde, wenn ich mich nur noch damit beschäftigte.

Du hast kurz die Reaktionen der Leute auf deine Kunst angesprochen. Wie wichtig sind die dir? Gehst du auf deine eigenen Ausstellungen und versuchst mitzuhören, was die einzelnen Leute über deine Arbeiten sagen?

In Deutschland wird ja nicht so viel geredet (lacht). Ich war jetzt in den Niederlanden. Dort war es zum Beispiel ganz anders: da wird viel mehr unter den Künstlern über die Arbeiten geredet, was ich ganz klasse finde. Man spricht mit seinem Gegenüber ja immer darüber, worüber er gerade reden will. Also eher über den Inhalt oder die Formalien. Das ist immer unterschiedlich. Ist ja sein gutes Recht, wenn er da hinkommt und sich das ansieht. Ich weiß ja selber, dass ich mich da auf einer Gradwanderung befinde, aber das sind sowieso die Positionen, die ich besonders spannend finde: kurz vorm Kitsch, sodass es sich die Waage kaum mehr halten kann und kurz vorm abkippen steht. Das sind Positionen, die ich als sehr lustvoll empfinde.

Welche Bedeutung misst du dem Schwarz-Weiß in deinen Arbeiten bei?

Gute Frage: Schwarz-Weiß hat was sehr konsequentes… Ja oder nein quasi. Warum mach ich eigentlich schwarz-weiß?

Vielleicht auch wegen des normalen Rhythmus’ des Hochdrucks, der traditionell Schwarz-Weiß druckt?

Das sind auch Gründe, vor allem weil die Technik so viele Seiten hat, die von mir noch nicht ausgereizt sind. Farbe im malerischen Sinne interessiert mich einfach nicht. Zumindest will  ich nicht das Lichtereignis fangen. Würde ich mit Farben arbeiten, dann würden die signalhaft, vielleicht auch über Flächen verwendet werden.

Irgendwie habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Vielleicht sind so viele sozial-kritische Arbeiten farbig, weil schwarz-weiß objektiver wirkt und dich nicht in eine emotionale Richtung schiebt. Ja, vielleicht ist die Grafik eher geistig und die Malerei mehr emotional. Vielleicht ist es eher so was. Also so ganz stimmt das auch noch nicht. Das ist alles sehr schwammig….

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